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Shadowrun: Returns im Test – Chance verspielt

Shadowrun: Returns im Test – Chance verspielt

Shadowrun Returns wurde am 25. Juli 2013 von Harebrained Schemes veröffentlicht. Das Spiel ist ein Einzelspieler und wird unter dem Genre taktisches Rollenspiel geführt.

Einleitung

Das Spiel lag sehr lange in der Epic Spielebibliothek und jedes Mal beim Starten von Epic Games kamen mir Gedanken: “Bald fängst du die Reihe mal an”. Nun ja, seitdem sind sicher schon drei Jahre vergangen, aber dann, am 03. Januar 2022 ist es passiert. Ich habe Shadowrun: Returns gesartet und innerhalb von 2,5 Tagen durchgesuchtet. Viele positive, sowie auch einige negative Eindrücke bleiben nach ca. 18 Stunden Spielzeit – wir klären in diesem Test die Details.

Story

Wir schreiben das Jahr 2054 und die Magie ist in die Welt zurückgekehrt und es erwachen mächtige Kreaturen aus Mythen und Legenden. Wir sind ein Shadowrunner – ein knallharter Söldner und leben am Rande der Gesellschaft (Ich hatte hier The Witcher flashbacks :D). Tag für Tag nehmen wir teils fragwürdige Aufträge an und verdienen uns unsere Nuyen.

Die Suche nach dem mysteriösen Serienkiller führt uns in eine fiktive Version der Stadt Seattle. Von dunklen Slums bis hin zu Megakonzernen – wir müssen vorsichtig sein und sind auf die Hilfe anderer Verbündeter angewiesen, um aus den Schatten von Seattle herauszukommen.

Gameplay

Shadowrun: Returns ist ein rundenbasiertes Taktik-Rollenspiel. Das heißt, dass wir uns in einer abgesteckten Welt (die in Summe relativ klein ausfällt) bewegen und in Kämpfen rundenweise agieren.

Bei der Charaktererstellung haben wir eine üppige Auswahl an Rassen und Subklassen. Dabei wählen wir bei den Rassen aus: Mensch, Zwerg, Elfen, Orks und Trollen. Als Subklassen stehen uns Straßensamurai, Magier, Shamane, Adept, Rigger und Decker zur Verfügung.

Aktionen unseres Charakters steuern wir hauptsächlich mit der Maus und können ihm mit einem Linksklick die Richtung vorgeben. Jeder Charakter zu Beginn und im Laufe des Spiels so genannte Karmapunkte, die wir in einem etwas gewöhnungsbedürftigen “Skilltree” spendieren können.

Ansonsten müsst ihr Euch auf sehr sehr viel Lesestoff einstellen, denn neben den Kämpfen ist das Durchlesen von Texten in diesem Spiel eines der Hauptmerkmale.

In der Welt von Seattle treffen wir im Laufe des Spiels auch auf verschiedene Händler und zwielichtige Gestalten, bei denen wir unsere Ausrüstung kaufen können.

Kämpfe basieren auf Runden, sodass unser Held + Gruppe jeweils einen gesamten Zug machen und anschließend ist der Gegner an der Reihe.

Während des Spiels verfolgen wir hauptsächlich die Hauptstory, also die Suche nach dem Serienkiller, können uns aber auch an einigen wenigen eher langweiligen Nebenquests die Zeit vertreiben.

Was hat mir besonders gut an Shadowrun: Returns gefallen?

Das Spiel bietet, wie ich finde, eine relativ gute Zugänglichkeit in das rundenbasierte Genre. Die Charaktererstellung ist sehr überschaubar und nicht unnötig kompliziert oder aufgebläht.

Als zweiter Positivpunkt kann man hier definitiv die Story und die damit verbundene Länge hervorheben. Shadowrun: Returns weiß den Spieler zu unterhalten – es spielt sich so flüssig, wie man selbst ein gutes Buch durchliest und dabei die Zeit vergisst. Die Spielzeit ist auch für voll berufstätige Menschen oder Menschen mit wenig Zeit gut geeignet, sodass man nicht hunderte Stunden braucht, um in das Spiel einzutauchen.

Die Grafik ist zeitgemäß und passt zu einem Sci-Fi Setting in der Zukunfr. Die Musikuntermalung hat mir sehr gut gefallen, denn die Titel sind hervorragend gewählt und begleiten unser Dasein als Shadowrunner.

Was hat mir an Shadowrun: Returns nicht so gut gefallen?

Insgesamt fand ich persönlich das Spiel, abgesehen von der spannenden Inszenierung der Hauptstory … eher sagen wir etwas seicht. Die unterschiedlichen Rassen und Subklassen sind zwar da und spielen sich je nach Ausrichtung etwas unterschiedlich, aber ich hätte mir die Grenzen zwischen den einzelnen Charakter doch etwas härter abgetrennt gewünscht.

Auch die Kämpfe sind nicht außerordentlich spannend. Unsere Charaktere haben je nach Klasse eine handvoll Fähigkeiten, die wir gegen die Gegner in jedem Kampf einsetzen. Aber hier hätte ich mir ein etwas komplexeres System gewünscht mit mehr Fertigkeiten. Außerdem ist mir negativ aufgefallen, dass unsere Charaktere insgesamt einen zu großen Anteil ihrer Fertigkeiten verfehlen. Das Spiel erklärt uns hier nicht eindeutig, warum das so ist, als dass es so ist und auf Dauer kommt natürlich Frust auf, wenn von unseren 3 Aktionspunkte alle irgendwie komplett daneben gehen.

Das Talentsystem ist an sich eine gute Idee mit den sehr vielen unterschiedlichen Sub-Talentbäumen, aber während dem Verlauf sammeln wir leider zu wenige Karmapunkte, als dass wir hier wirklich ernsthaft experimentieren können.

Der letzte Punkt ist wahrscheinlich sehr subjektiv, aber mir ging das Lesen dahingehend etwas auf den Zeiger – obwohl hierdurch die komplette Story sehr gut vermittelt wird – als dass meine Auswahl an Gesprächsoptionen eigentlich keinen wirklich spürbaren Einfluss auf den Verlauf der Geschichte hatten. Während dem Spielverlauf kam bei mir irgendwann dieses “Mittel zum Zweck” Gefühl auf – da bin ich sehr sensibel, wenn ich merke, dass ich “einfach so” beschäftigt werde.

Fazit

Shadowrun: Returns ist ein Taktik-Rollenspiel der ganz alten Schule. Die Geschichte unterhält, aber das Drumherum bleibt weitestgehend über den gesamten Spielzeitraum eher blass.

Es trägt den Titel “Rollenspiel” im Genre, aber leider nicht in der Seele, denn es ist für mich kein Rollenspiel. Das eigentlich gut durchdachte Charaktersystem bleibt die meiste Zeit ungenutzt, die linearität der Geschichte lässt wenig Spielraum von eigenen Entscheidungen, die Kämpfe fordern weniger Taktik und Fertigkeiten als in vielen anderen Genrevertretern und insgesamt kommt durch die Oberflächlichkeit keine echte Bindung zu den Charakteren.

Unterm Strich eher ein mittelmäßiger Auftakt in der Reihe, dass mehr mit erzählerischen als mit spielerischen Elementen glänzt. Ich drücke die Daumen für den nächsten Teil: Shadowrun: Dragonfall.

Motivationskurve

Die Anfangsmotivation ist sehr groß, denn entsprechende Erwartungen an rundenbasiert und Rollenspiel sollen erfüllt werden. Doch leider nach bereits 2-3 Stunden stellt sich eine Art der Ernüchterung ein, denn das Spiel kommt leider spielerisch nicht richtig in Schwung. Kurz nach der Halbzeit kann sich die Motivation durch die gut erzählte Hauptstory etwas fangen, sackt aber zum Finale nochmal deutlich ab – denn es passiert einfach zu wenig, das den Spieler unterhält.

Bewertung – 73%

73%

Shadowrun: Returns ist ein solides Spiel der alten Schule. Wer hier tiefgehende Charaktererstellung und -entwicklung erwartet, wird enttäuscht. Das Spiel glänzt mit einer spannenden Story, die gut erzählt wird, bleibt aber sonst lange Zeit hinter seinem Schatten. Es gibt keine spürbare Entwicklung des Charakters durch Ausrüstung oder Waffen, die Kämpfe sind eher langweilig und Entscheidungen haben praktisch keinen Einfluss auf die Story.

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