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Control – Test: Unkontrollierbares Chaos

Control – Test: Unkontrollierbares Chaos

Control ist ein Action-Adventure Spiel vom finnischen Studio Remedy Entertainment und wurde am 27. August 2019 veröffentlicht.

Einleitung

Kennt ihr das? Ihr geht in ein Einkaufszentrum und wisst davor genau, was ihr wollt. Die Alarm-Schranken passiert, geschieht ein magischer Prozess, wie ein Komplett-Reset im Gehirn und ihr steht irgendwie verloren im Raum. Dieses Gefühl beschreibt ziemlich genau mein Empfinden nach den Credits von Control nach ca. 20 Stunden Spielzeit.

In Control spielen wir Jesse Faden, gespielt von Courtney Hope, der neuen Direktorin des Federal Bureau of Control (folgend FBC), einer geheimen US Einrichtung, die sich auf die Beobachtung und Forschung von paranormalen Aktivitäten konzentriert. Wir befinden uns zu großen Teilen des Spiels im “Ältesten Haus”, dem Hauptquartier des FBC in New York und benutzen dabei im Verlauf übernatürlich Kräfte und Waffen, um der Bedrohung, namentlich genannt “Das Zischen”, ein Ende zu setzen.

Story

Die Geschichte bei Control dreht sich neben der Erkundung des ältesten Hauses um die Suche nach Jesse Fadens Bruder Dylan. Das Geschwisterpaar war vor vielen Jahren Zeuge von übernatürlichen Ereignissen, weshalb Jesse glaubt, dass ihr Bruder als Versuchskaninchen in das FBC entführt wurde.

Bevor wir uns aber auf die Suche nach Dylan machen, wirft Control mit mehr Fragen um sich: Wer ist dieser seltsame Hausmeister Ahti, der fröhlich putzt, brummt und sich als Chef des Ladens fühlt? Was will das Zischen hier und warum überrennt es das FBC? Und warum werden wir sofort nach unserer Ankunft in das FBC als Direktorin ernannt? Fragen über Fragen.

Durch die teils sehr verworrene Geschichte von Control ist es wirklich sehr schwer alles spoilerfrei zu schreiben, aber es sei gesagt, dass die Erzählung der Hauptstory bis zur letzten Minute spannend gelungen ist. Auch die Vermittlung der Geschichte durch den tonangebenden Dr. Darling in kurzen Videosequenzen auf Fernsehgeräten oder die Dokumente, die wir durchweg im gesamten Spielverlauf finden (dazu später mehr), helfen zumindest dem Geheimnis im Haus näher zu kommen.

Gameplay

In Control gibt es eine Besonderheit bei der Waffe, denn Diese bekommen wir als so genannte “Service Waffe” gleich zu Beginn des Spiels. Im Laufe sammeln wir Fähigkeitenpunkte und können noch weitere Sub-Arten dieser Waffen herstellen. Jede Art der Waffe ist immer noch eine Service Waffe, nur in einer anderen Form. So nimmt sie die Form einer normalen Pistole bis hin zu einer verheerenden Version mit mehreren Granaten an.

Die Kräfte sind auf der anderen Seite das andere Element, mit dem wir unsere Gegner ins Nirvana befördern können. Jesse kann mit ihrer Energie Objekte aufnehmen und sie auf Gegner schleudern.

Durch den Verlauf finden wir mehr und mehr “Objekte der Macht”, die Jesse weitere Super-Fähigkeiten wie zum Beispiel ein Schild oder die Möglichkeit zum Schweben schenken.

Die Karte des ältesten Hauses ist wie ein großes Puzzle mit 10.000 Teilen, in das wir eingesogen werden. Deshalb ist das Gameplay eine Mischung aus Erkunden und vielen Kämpfen. Es wird im Spiel immer wieder davon gesprochen, dass sich das Haus in seiner Form ändert – da musste ich sofort an das “Verrückte Labyrinth” denken, aber im Spiel selbst ist es jetzt nicht so, dass wir eine ständige Änderung der Karte oder der Zimmer wirklich bewusst wahrnehmen. Das Kampfsystem ist relativ simpel, erzeugt aber durch die Superkräfte eine ganz eigene Dynamik. Außerdem haben wir im Laufe des Spiels die Möglichkeit unsere Waffen und Kräfte durch Modifikationen zu optimieren und auszubauen.

Die Rätsel im Haus sind wirklich low level und benötigen hier keine besondere Erwähnung. Die Aufgaben im Haus sind meistens, gehe hier hin, suche das und säubere das Gebiet.

Was hat mir an Control besonders gut gefallen?

Für mich persönlich haben sich zwei Dinge während des Spielverlaufs als wirklich spannend herauskristallisiert: Zum einen die seltsame Story um das Haus und um unsere Hauptfigur Jesse Faden. Zum Zweiten…dieses seltsame Haus. Was ist hier passiert und was passiert hier weiterhin?

Die Story ist zugegebenermaßen wirklich nicht sehr zugänglich, ist aber sehr gut inszeniert und regt zum Mitraten an. Wirkte unser Erscheinen am Anfang des Spiels im FBC doch recht sehr zufällig, scheint sich der Kreis zum Schluss immer weiter zu schließen und die ganz großen Fragezeichen in unserem Kopf verschwinden.

Ich hatte das Haus erwähnt. Am Anfang des Spiels dachte ich, dass sich die Karte eher schlauchartig entwickeln würde, aber weit gefehlt. Im Laufe des Spiels hatte ich sogar teilweise Flashbacks zu den Dark Souls Teilen, denn es ist eine riesige Karte (instanziert), die sehr viele Winkel, versteckte Räume und unterschiedliche Abteilungsbereiche besitzt. Durch Abkürzungstüren kommen wir auch immer wieder mal zu den bereits bekannten Orten zurück – das gefällt mir irgendwie, dass es eine Art riesen großes Hub ist und genau so fühlt sich auch Control an – in jeder Minute hält das Haus Überraschungen bereit und der Spieler wird motiviert Diese zu entdecken.

Was hat mir an Control nicht so gut gefallen?

Licht wirft Schatten, das ist unvermeidbar. Control hat seine Ecken und Kanten, es wirkt an manchen Stellen nicht so richtig durchdacht, aber dazu kommen wir in diesem Abschnitt.

Wurde man am Anfang doch so von der Story angefixt, entwickelt sich das ganze irgendwann zu einem reinen Lese-Wirrwarr mit hunderten Dokumenten, die wir im ältesten Haus finden. Mir ist die Motivation durchaus klar, dass wir in einem riesigen Bürokomplex viele Dokumente und Schriften finden, aber ich als Spieler werde neben der sowieso schon komplexen Story noch mit allerlei Text zugemüllt., die auch noch fast durchgängig in Teilen geschwärzt ist!?

Das ging mir persönlich bereits nach ca. 1-2 Stunden so auf den Senkel, sodass ich diese Schriftstücke gar nicht mehr aufgesammelt habe. Ich bin der Meinung: Mystery braucht auch gewissermaßen einen berechtigten dunklen Fleck, der nicht erklärt werden muss. Das macht doch die Faszination aus und regt die Fantasy des Spielers an.

Ein großes Manko in Control ist meiner Meinung nach die Karte des ältesten Hauses. Ich habe in letzter Zeit ehrlicherweise keine kompliziertere Karte in einem RPG gesehen wie in Control. Teilweise überschachteln sich die Ebenen auf einer einzigen Karte – hier hätte man vielleicht sogar die Karte einfach weglassen und dem Spieler vertrauen soll, auf eigene Faust loszuziehen und das Büro zu erkunden.

Immer wieder im Spiel werden wir zum “Ocean View Motel” teleportiert, wo wir ziemlich belanglose Rätsel lösen. Mir persönlich konnte im Spiel nicht vermittelt werden, warum wir das machen und so hatte ich ständig sehr große Fragezeichen und hab die Aufgaben einfach stupide ohne Gegenfrage gelöst.

Tut euch einen Gefallen und stellt die Sprache am Anfang auf Englisch, auch wenn ihr Sie nicht zu 100% in Perfektion beherrscht. Stellt zur Not die Untertitel an, dann wird es einfacher, denn die deutsche Synchronisation wirkt so seelen- und lustlos, da vergeht einem die Spielelust. Um es kurz zu machen: Sie ist langweilig.

Fazit

Control hätte wirklich grandios werden können, stand sich aber in einigen Punkten selbst im Weg. Die Story rund um das Haus wirkt nicht so verbraucht und das Kämpfen, und sei es teilweise etwas eindimensional, hat seine guten Momente, aber insgesamt wollte man am Ende vielleicht doch zu viel und konnte nicht alle Ideen bis zum Ende implementieren?

Das actionreiche Pacing bei den Kämpfen wird sehr oft auf nervige Weise von den unzähligen Texten und Dokumenten gebrochen, wo wir minutenlang dastehen und Papierdokumente oder Videos anschauen.

Die Minimap oder Karte allgemein ist vielleicht der größte Schandfleck, den uns Control präsentiert. Hier stimmt gefühlt gar nichts. Auf der anderen Seite steht die Figur rund um Jesse Faden und die Geschichte ihres Bruders, die einzig echte Motivationsquelle, warum Control bis zum Ende hin das Durchspielen belohnt.

Motivationskurve

Wir starten mit einer sehr hohen Abflugebene, da wir eiskalt in das Spielgeschehen reingeworfen werden und nichts absehbar ist. Alles wirkt seltsam, spannend und man hat das Gefühl, dass hier etwas Großes passiert. Mit zunehmender Spieldauer, vor allem das Midgame ist hier zu erwähnen, nehmen die negativen Aspekte wie die unzähligen Schriftdokumente und die nervige Map an Bedeutung. Bei ca. 10 Stunden habe wir einen leicht horizontalen Verlauf, hier hat Jesse bereits all ihre Skills, die sie durch die Objekte der Macht bekommt, erhalten und das macht die Kämpfe allgemein ein bisschen spannender. Leider kann dieser Aspekt den negativen Trend zum Ende der Spielzeit nicht aufhalten, lediglich das Finale und die Antworten, die wir rund um Jesse’s Bruder Dylan suchen, können Control im letzten Drittel vor der 70er Marke retten.

Bewertung – 78%

78%

Control geht mit seinem Stil einen besonderen Weg und bittet dabei den Spieler aktiv um die Erkundung der wirren Story rund um Jesse Faden. Doch oft steht sich das Spiel selbst im Weg, sei es die nervige Karte oder die etlichen Schriftstücke, die die Spielgeschwindigkeit deutlich runterziehen. Sonst hat man aber mit Control einen wirklich gelungenen Titel, der aber das RPG im Genre nicht verdient hat.

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