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Hobbys – Die Gefahr der Extrema

Hobbys – Die Gefahr der Extrema

Jeder von uns hat eins. Manch einer mehr, der andere weniger. Die Rede ist von Hobbys und wie sie unser Leben, ob positiv oder negativ, beeinflussen können. Ein kurzer Essay von mir über dieses doch sehr brisante Thema.

Ich habe mir dieses Thema aus einem sehr persönlichen Bezug rausgesucht und war doch sehr überrascht, mit welcher Intensität es mich unterbewusst beschäftigt hat und immer noch kräftig durchwühlt. Wir alle haben Hobbys, auch ich habe welche und das zu Genüge. Ich mache Sport wie ein verrückter, fahre am liebsten Luxusschlitten in meiner Freizeit, spiele Videospiele und lass mir dabei über die Schulter gucken, schaue gerne mal Fußball, bin absoluter Serien- und Filmefan, rauche Shisha (wobei ich das weniger als Hobby, sondern als Freizeit betrachte), treffe mich gerne mit Freunden und … Moment, das sind aber ganz schön viele Dinge auf einmal, obwohl der Tag (leider) keine 48 Stunden mitbringt oder? Vor allem wenn man eine so wundervolle Freundin an der Seite hat! Und genau auf diesen Punkt möchte ich genauer eingehen, nämlich wie diese beiden Punkte Hobbys und Beziehung / Partnerschaft / Ehe in den Schnittpunkten reagieren und welche Lösungen möglicherweise bei Konflikten als erstes zu erarbeiten sind.

Mein Standpunkt ist folgender: Hobbys sind ein wichtiger und unterstützender Faktor im Leben, eine Bindung zu einem anderen Menschen (in unserem Fall der Partner / die Partnerin) ist und bleibt jedoch das höchste Gut!
Beispiel: Lässt du zwei, drei Radtouren in der Woche sausen, wird dein Material – in diesem Fall dein Rad – dir nicht einen Vorwurf machen, dass du dich nicht kümmerst. Die Straßen, die du befahren würdest werden sich nicht in deine Träume schleichen und dir sagen, dass sie dich vermissen. Der Parnter hat dazu im Gegensatz Gefühle, Wünsche und gewisse Erwartungen. Gehst du eine Beziehung ein, dann musst du auch diese Gedanken mit in deinen Ablauf planen und versuchen SELBER ein adäquates Zusammenspiel beider Sachen zu finden. Für dich und deinen Partner zufriedenstellend. Wenn du die Leute frägst, warum sie ein bestimmtes Hobby ausüben, wirst du meistens die gleichen Antworten bekommen. “Macht mir Spaß”, “Lenkt mich bisschen vom Alltag ab”, “Ich möchte dadurch ein bisschen Stress abbauen und runterkommen” oder “Ich bin gern hier, dort oder sonstwo”. Von der Psychologie her sind wir also schon so ein wenig gestrikt, dass wir einen Ausweg suchen, in diesem Fall eine kleine Welt neben dem Alltag und diese Welt finden wir in unseren Hobbys. Menschen und Hobbys sind deswegen für mich unzertrennlich, aber wo ist die Grenze zwischen Vernunft und Besessenheit? Ein eindeutiger Indikator dafür, dass die Hobbys negativen Einfluss auf Euer Leben nehmen ist wer? Euer Partner! Ich klammere hier gesundheitliche Schäden bewusst aus, da ich darauf nicht eingehen möchte. Wenn ich merke, dass ich auf Weinproben mit Herzrasen reagiere und das über Jahre weiter führe und dann einen Schlaganfall erleide, dann stimmt grundlegend was nicht. Die Linie zwischen Hobbys “krankhaft” oder “unbewusst aufdringlich” auszuüben ist in der Regel sehr dünn und fließt ineinander. Ich werde jedoch versuchen auf die “unbewusst aufdringliche” Seite etwas genauer einzugehen.
Über sein eigenes Hobby sollte man nur erzählen, wenn a) jemand in der direkten Umgebung konkret danach frägt oder b) wenn ihr euch unter Leuten befindet, die das selbe Hobby ausüben. Natürlich kann man auch mal einem Hobby-Fremden sagen, dass man dies und das gerne tut. Das ist völlig legitim und normal. Wenn ihr aber hingeht und zum Beispiel euren Freunden ständig davon erzählt, dass ihr die tollsten und schönsten Briefmarken sammelt und euch dieses Thema sogar in Kneipenaufenthalten mit den Freunden nicht loslässt, die ersten Freunde dezent genervt reagieren, solltet ihr die Alarmglocken läuten. Wenn die Freundin sich darüber aufbürstet, dass ihr das gesamte Wochenende und darüber hinaus Zeit in etliche Bundesliga-Spiele investiert und es keine kommunikative Einstimmigkeit gegeben hat, liegt es in diesem Fall an euch zu handeln. Bevor ich jetzt aber mit Mann und Frau anfange, möchte ich noch ganz allgemein ein Wort zu Hobbys beim Mann und Frau aussprechen.

Männer und Frauen leben Hobbys unterschiedlich aus

Ist es aufgefallen? Ich habe oben mit einem Männer-Hobby angefangen. Dies hat damit zu tun, dass Männer gewöhnlich anders mit ihren Hobbys umgehen als Frauen. Frauen stellen ihre Hobbys meist hinter die Interessen der Familienmitglieder zurück. Sind erst alle versorgt und zufrieden, nehmen sie sich Zeit für sich selbst. Sie haben meist auch keine Rund-um-die-uhr-Hobbys, sondern können ihre Hobbys stundenweise in Häppchen ausüben. Nicht selten müssen sich Frauen regelrecht erkämpfen, dass sie beispielsweise einmal die Woche für zwei Stunden zur Gymnastik gehen können. Besonders Hausfrauen haben es schwer, sich die Zeit für ein Hobby einzuteilen. Bei berufstätigen Männern ist es fast selbstverständlich, dass sie zum Ausgleich am Feierabend etwas für sich tun. Geht es bei den Frauen bei ihrem Hobby eher darum, Spaß zu haben, stehen bei Männern eher das Kräftemessen, (“Ich bin der Größte, Beste, habe die meisten Dinge…”) das Siegen und die Leistung im Vordergrund.

Gefahren für Partnerschaft und Ehe

Solange eine Partnerhälfte sich durch ein Hobby nicht gefährdet fühlt, gibt es keinen Grund sich Sorgen zu machen. Entscheidend ist die Art und Weise, in der Sie geführt werden. Hobbys können zur Sucht werden und wenn das von einem Partner ausgeht, kommen schnell Zweifel und Ängste. “An erster Stelle das Hobby und dann eine unendliche Leer!”. Gerade bei technischen Hobbys ist die Gefahr besonders groß, weil der Partner sich schnell ausgegrenzt fühlt (“Er ist wieder im Keller und bastelt an seiner Carrera-Bahn…”). Vielleicht nutzt der Partner ein Hobby auch nur, um vor den alltägliche Pflichten und / oder Auseinandersetzungen zu fliehen.
Die Partnerschaft kann ernsthaft darunter leiden, wenn der eine Partner ständig versucht, dem anderen sein Hobby zu vergällen und ihn davon abzubringen. (z.B.: “Du immer mit deinem dämlichen Auto. Sonst hast echt nichts im Kopf!”). Vorwürfe und Beschimpfungen bringen den Partner dazu, sich immer mehr zu separieren und sich aus einer Trotzhaltung heraus verstärkt mit seinem Hobby zu befassen. Beide fühlen sich unverstanden und nicht in ihren Bedürfnissen geachtet.

Mögliche Lösungen für die Reduktion von Spannungen

  1. Versuchen als Ausgleich ein gemeinsames Hobby zu suchen. Gemeinsam machen Dinge im Leben immer mehr Spaß!
  2. Aktive Hobbys suchen. Die Mattscheibe lenkt uns zwar ab, fordert aber nur den Sehsinn und räumt keinen Raum für Kreativität ein.
  3. Mit dem Partner besprechen, warum das Hobby so wichtig für uns ist.
  4. Zeitmanagement: Kommunizieren, wie viel Zeit in das Hobby und gemeinsame Aktivitäten investiert werden soll. So verhindern wir, dass der andere sich ausgeschlossen fühlt.
  5. Alles kann, nicht muss. Der Partner kann mitmachen, darf aber niemals gezwungen werden. Auch indirekt (Ständiges Erzählen vom Hobby beim Essen, Ausgehen oder im Alltag)
  6. Geht unser Partner einem Hobby nach, welches uns nicht gefällt, sollten wir uns bemühen, es zu akzeptieren. Wir sollten aber gleichzeitig unsere Wünsche mitteilen, nämlich das, was uns in der Partnerschaft fehlt. Außerdem sollten wir uns ein eigenes Hobby suchen, das uns ausfüllt.

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