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Amazon Prime Music – Test

Amazon Prime Music – Test

Vor wenigen Tagen hat Amazon Prime seinen neuen Dienst mit dem Namen “Amazon Prime Music” für die Prime Kunden veröffentlicht. In diesem Beitrag möchte ich etwas näher auf den Dienst eingehen und ihn mit dem aufstrebenden und sehr erfolgreichen Streaming-Anbieter “Deezer” vergleichen.

Was ist eigentlich Prime Music genau?

Bei Prime Music handelt es sich, wie der Name schon vermuten lässt, um eine Musik-Streamplattform von Amazon. Der Streamingmarkt ist immer mehr im Kommen und so wundert es nicht, dass Amazon auch selber auf diesen Zug aufgesprungen ist, um Marktanteile zu erringen. Die bekanntesten Streamingdienste in Deutschland dürften aktuell Spotify, Deezer und neuerdings auch Aldi life Musik in Kooperation mit Napster sein. In diesem Quartett der Musik-Streamingdienste möchte ich speziell auf Amazon Prime Music und Deezer etwas näher eingehen, Vor- und Nachteile erörtern und meine Empfehlung aussprechen.

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Prime Music umfasst aktuell über eine Million Songs und tausende Alben verschiedener Top-Künstler. Mit der Radio-Funktion kann man zwischen verschiedenen Genre wählen und so seine Lieblingsmusik hören. Die Genreauswahl ist mit über 40 Genre sehr groß, sodass für jeden etwas passendes dabei ist. Sollte mal ein Song nicht den Geschmack treffen, gibt es eine Funktion um Titel beliebig oft zu überspringen. Zudem gibt es die Möglichkeit mit einem Klick auf “Gefällt mir” sich ähnliche Songs vorspielen zu lassen. Wenn ein Titel nicht mehr abgespielt werden soll, genügt eine Berührung auf die Schaltfläche “Gefällt mir nicht”, um den Titel in Zukunft aus der Playliste zu verbannen. Beide Funtionen erfüllten ihre Aufgabe in einem Testzeitraum von ca. zwei Wochen sehr gut. Während der Wiedergabe eines Songs kann man mit dem Menü oben Rechts weitere Aktionen ausführen und dazu zählt unter anderem die Möglichkeit den Song herunterzuladen. Das ist vor allem für Smartphone Nutzer ohne eine Datenflatrate sehr sinnvoll, da so ein Streamingdienst ziemlich große Volumina verschlucken kann, wenn man den ganzen Tag darüber seine Musik hört. Dafür werden alle heruntergeladenen Titel im Menü “Letzte Aktivität” abgespeichert und sind anschließend Offline verfügbar. Ich konnte im Test alle Titel ausnahmslos herunterladen, die ich ausgewählt habe und diese Titel ließen sich auch ohne aktive Datenverbindung vom Handy aus abspielen.

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Das Hauptmenü umfasst vier Reiter (siehe Bild links). Das Radio hatte ich oben bereits beschrieben. Bei den Playlisten handelt es sich um von der Amazon Musikredation zusammengestellte Musik, je nach Stimmungslage. Hier gibt es dann Überschriften wie “Gute-Laune-Pop” oder “Hits aus Filmen” usw., unter denen man sich die Musik für die aktuelle Gemütslage aussuchen kann. Außerdem bietet Amazon hier die Möglichkeit Playlistens zu bewerten. Die Bewertung erfolgt mit Sternen von 1-5. Dazu sei aber gesagt, dass die Bewertung nur über die Homepage von Amazon Prime Music funktioniert, die Funktion habe ich über die Prime Music App leider nicht finden können, das wäre noch ein netter Bonus gewesen.

Der Prime Music Shop

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Amazon möchte natürlich auch ein bisschen Geld mit dem Dienst verdienen und bietet zusätzlich einen Shop an. Hier gibt es diverse Angebote zu Songs und auch Alben mit vergünstigten Preisen. Ich habe den Gegencheck gemacht und nach den angebotenen Songs direkt in der Musikbibliothek gesucht – Fehlanzeige und auch gut so, sonst hätte die Kaufoption mit dem Shop keinen Sinn. Lange Rede kurzer Sinn: Die kaufbaren Titel können natürlich nicht über die Option “Herunterladen” auf dem Gerät abgespeichert werden. Es muss aber dazu gesagt werden, dass einige Alben und Songs mit einem Prime-Symbol versehen sind und in der eigenen Bibliothek abgespeichert werden können. Diese sind jedoch nicht offline verfügbar und benötigen zwingend eine Datenverbindung damit sie abgespielt werden können. Immerhin ein feiner Zug von Amazon, auch neue Alben und Songs somit anzuhören und bei Bedarf in der eigenen Liste abzuspeichern.

Was kostet Prime Music?

Prime Music ist Bestandteil von Amazon Prime, es entstehen keine zusätzlichen Kosten. Wenn man Amazon Prime auch sonst gebraucht, ist Prime Music im Vergleich zu den Konkurrenten ein richtiges Schnäppchen. So zahlt man für das Prime Abo im Jahr 49 Euro, im Vergleich verlangt der Anbieter Deezer für ein Jahresabonnement stolze 119,88€. Das ist etwa Faktor 2.

Bedienung & Medienformate

Wenn man Prime Music das erste Mal öffnet gibt es nur eine Schaltfläche oben links, die ins Auge fällt – das Menü. Von hier aus erreichen wir alle Bereiche in Prime Music und die Bedienung ist sehr einfach gehalten. Die Schaltflächen sind alle aussagekräftig und groß genug, um sie auch auf dem Smartphone ohne Fehleingaben bedienen zu können. Das System im Hintergrund arbeitet (je nach Verbindungsgeschwindigkeit) sehr zügig und Abstürze hatte ich bis dato keine. Das Einzige, was ich mir manchmal gewünscht hätte ist ein “Zurück” Button in den einzelnen Menüs. So kann man z.B. im Shop nicht die Zurück-Taste auf dem Smartphone betätigen, um eine Ebene zurück zu kommen, sondern muss erneut auf das Menü-Symbol tippen und das Menü entsprechend neu auswählen. Zwecks Usability ist hier also noch ein bisschen Optimierungspotential vorhanden.

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Kommen wir nun zu einem sehr wichtigen Punkt: Der Musikqualität. Amazon setzt auf eine variable Bitrate (MP3), um die optimale Audioqualität respektive Dateigröße zu erreichen. Der Vorteil der variablen Kodierung ist, dass komplexe Teile der Songs mit einer höheren Bitrate verarbeitet werden können. Einige Inhalte beim Prime Music sind mit einer konstanten Rate von 256 kbps kodiert. Diese Medien bieten die gleiche Audioqualität, haben aber eine etwas höhere Dateigröße. Für ein typisches Lied mit drei Minuten gibt Amazon einen Speicherplatz von ca. 5 MB Speicherplatz an. Für jeden Titel wird im Player ein entsprechendes Albumcover angezeigt (für die Optik), Songtexte stehen aktuell nicht zur Verfügung.

Der Vergleich mit Deezer

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Als Erstes muss man sich vor Augen führen, dass Deezer ein reiner Musik-Streamingdienst ist und etwas mehr als das Doppelte kostet, wenn man das Jahresabo als Grundlage nimmt. Damit der Vergleich kurz und knackig ausfällt, habe ich mich entschieden aufzuschreiben, in welchen Bereichen Deezer möglicherweise die Nase vorne hat und wo Prime Music sehr gut mithalten kann.

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Deezer bietet in meinen Augen die bessere Optik, da die Schaltflächen und Menüs moderner und ausgereifter wirken. Deezer ist auf der offiziellen Seite vollständig auf eine Musikbibliothek ausgelegt, wohingegen Amazon lediglich ein provisorisches Interface anbietet. Zusätzlich kann man, anders als bei Prime Music, auch Songtexte (wenn verfügbar) und weitere Infos zum Künstler und Alben anfordern. Der Download funktioniert bei Deezer etwas anders und, wie ich finde, auch etwas umständlicher als bei Prime Music. Kann man bei Prime Music den gewünschten Titel sofort herunterladen, muss man bei Deezer einzelne Songs erst als “Lieblingssongs” markieren und kann in einem separaten Menü alles gesammelt herunterladen. Praktisch ist die Funktion jedoch, wenn man gesamte Alben herunterladen möchte. So genügt ein Klick auf “Download” und das komplette Album landet auf dem Speicher. Letztlich ist das aber hier auch Geschmackssache, was einem besser liegt. Die Musikqualität ist bei Deezer gefühlt etwas besser als bei Prime Music, weil Deezer die Musik nach eigenen Angaben möglichst immer bei 320 kbps anbietet. Ob das stimmt kann ich nicht beurteilen, aber für mich klingt Deezer besser als Amazon Prime. Von der Performance über die App hat aber Prime Music einen kleinen Vorzug, weil das Laden der Titel weniger Zeit in Anspruch nimmt wie Deezer. Das Verwalten der Musikbibliothek funktioniert in beiden System sehr gut, hier also ein Gleichstand. Ich möchte an dieser Stelle erneut auf die Kosten zurückkommen. Deezer kostet bei einem Jahresabo 119,88 Euro und ist somit etwa 70 Euro teurer als Amazon Prime. Wenn man den Musik-Streamingdienst nur sporadisch als Bonus benutzt, wird mit Prime Music sicher glücklicher werden und schont zusätzlich noch seinen Geldbeutel. Hört man aber seine Musik nur noch über Streaming und setzt auf höchste Musikqualität, der wird mit Deezer sicher auf Dauer besser bedient.

Fazit

Amazon hat mit seinem Dienst einen sehr guten Schritt in Richtung Musikstreaming gemacht und erweitert damit das bereits so üppige Angebot von Amazon Prime um einen weiteren Bonus. Ob man jetzt allein wegen dem Musikdienst ein Amazon Prime Konto eröffnen muss, wage ich zu bezweifeln. Man sollte sich vorab klar machen, in welchem Umfang man das Streaming-Angebot nutzen möchte. Ist man Dauerhörer am Smartphone, legt großen Wert auf ein sauberes Interface (mobil wie desktop) und möchte stets die beste Musikqualität, ist mit Deezer auf dem richtigen Pfad. Für alle anderen, die das Musikstreaming als nettes Feature benutzen und auch mal einen Lieblingssong offline herunterladen und abspielen möchten, ist Amazon Prime Music eine sehr gute Alternative. Am Ende entscheidet auch sicherlich der Geldbeutel über die Auswahl, ob Deezer oder Prime Music.

Viel Spaß beim Musikhören wünscht euch Simplifyblog 🙂


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