Tales from Candlekeep – Test

Tales from Candlekeep ist ein rundenbasierter Dungeoncrawler auf Basis des Dungeons & Dragons Regelwerks und spielt auf der Halbinsel „Chult“.

Zur Story ist am Anfang leider nicht viel bekannt, nur, dass die Gruppe der Abenteuerer die Quelle des Fluches ausfindig machen muss, die sich verbreitet. Und so stellen wir ganz im klassischen Rollenspielsinn eine Truppe von Klassen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen, die sich dieser Herausforderung annehmen.

 

Gameplay

Wer bereits rundenbasierte Spiele wie XCOM oder The Banner Saga gespielt hat, sollte sich die grundlegende Spielmechanik leicht vorstellen können. Für alle anderen: Man spielt rundenbasiert bzw. streng genommen nach einem erwürfelten Initiative-Wert der Charakter. Sprich: Am Anfang jeder Runde erwürfelt das Spiel mit einem d20 (Ein Würfel mit 20 Seiten) und je höher der Wert, desto früher kommt unser Charakter in diesem Zug an die Reihe. Danach geht es, wie erwähnt, rundenbasiert weiter und jeder nimmt seinen Zug.

Oben habe ich zwei Spiele aus der rundenbasierten Reihe gegriffen, die echte Größen in diesem Genre sind. Im Angesicht des Kaufpreises von „Tales from Candlekeep“ von etwa 15€ vielleicht nicht ganz fair, aber im Kern sind es Spiele derselben Mechanik und müssen miteinander verglichen werden.

Ansonsten ist das Gameplay wirklich super simpel: Es gibt vier Phasen (Helden, Exploration, Begegnung, Bösewicht). In der Heldenphase können unsere Charaktere sich auf quadratischen Flächen fortbewegen und Maßnahmen (Aktionen) ausführen. Nach der Bewegung folgt (wenn der Charakter sich am Rand der Spielfläche befindet) eine Explorationsphase. Das muss man sich so vorstellen, als würde man selbst ein neues Kartenteil passend hinlegen. In der Begegnungsphase können Begegnungen auftreten, wenn ein Held sich z.B. nicht auf einen Rand gestellt hat (und somit auch kein neues Kartenteil aufstellt). Begegnungen haben meist negative Effekte wie z.B. Schaden auf Helden oder auch Monsterspawns.

Auch die Interaktion ist relativ einfach gehalten. Die einzelnen Charaktere haben Standard- und Spezialangriffe, die sie einsetzen können. Das Anvisieren erfolgt per Klick auf das gewünschte Ziel und danach wird die Aktion ausgeführt.

Leider sind alle Charaktere vorgegeben und man kann selbst auch keine Individualisierungen vornehmen.

Grafik

Die Optik ist in sich stimmig, die Farben sind satt, die Effekte werden auch gut auf den Spieler transferiert. Ich konnte während dem gesamten Spiel keinen einzigen Grafikbug entdecken.

Sound

Hier muss ich leider Kritikpunkte äußern. Die Musik ist sehr repetitiv (ich glaube es gibt nur eine Musikdatei!?) und geht einem irgendwann auf den Keks. Zur Info: Ich habe sie bereits nach ca. 10 Minuten im Menü auf stumm gestellt.

Was hat mir besonders gut gefallen?

Mir hat persönlich die gesamte Aufmachung im Brettspiel-Stil sehr gut gefallen. Die Devs haben das Gefühl rund um den Tisch zu sitzen und die Charaktere zu steuern sehr gut getroffen. Auch die Optik ist sehr ansprechend und sieht einfach verdammt gut aus. Außerdem muss man sagen, dass das Spiel einen sehr einfachen Einstieg in das rundenbasierte Genre erlaubt. Ich möchte diesen Part nicht beurteilen, für mich persönlich könnte es um einiges knackiger ausfallen, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Was hat mir nicht so gut gefallen?

Weniger Geschmackssache sind die harten Fakten, denen sich das Spiel entgegenstellen muss. Es gibt im Spiel leider keine Möglichkeit Charaktere zu erstellen oder anzupassen. Außerdem ist z.B. das Crafting-System (was ich bisher noch nicht angesprochen habe) wirklich äußerst schlecht eingesetzt. Man sammelt während dem Spiel irgendwelche Materialien, die zufällig aus Kisten rauskommen und sobald man bestimmte Sachen zusammen hat, kann per Klick ein Gegenstand hergestellt werden. Leider ist es aber fast komplett irrelevant, was man genau sammelt, denn darauf hat man sowieso keinen Einfluss und zweitens hätte ich mir bisschen mehr Kreativität beim Crafting an sich gewünscht. Es gibt heutzutage so viele Beispiele im RPGs, die es wesentlich besser machen als Tales from the Candlekeep.

Mein größter Kritikpunkt ist jedoch das Gameplay an sich. Ich sage es jetzt einfach so: Das Spiel ist unfassbar langweilig. Das liegt daran, dass das eigentliche Gameplay dermaßen repetitiv und berechenbar ist, dass einem sehr schnell die Lust nach Abenteuer vergeht. Bei der relativ kurzen Spielzeit von ca. 8-10 Stunden war ich am Ende doch erleichert, das Spiel hinter mich gebracht zu haben.

Das Problem an Tales from Candlekeep ist eventuell auch noch, dass es bereits schon so viele Spiele im rundenbasierten Genre gab, die es um Längen besser gelöst und auch deutlich mehr Spielspaß erzeugt haben. Nach meinem ersten Urteil würde ich sagen, dass sich das Spiel weit unter dem Durchschnitt bewegt, da wäre mehr drin gewesen.

Fazit

Tales from the Candlekeep macht bisschen was richtig, aber viel falsch und es fühlt sich irgendwie nicht richtig an, während wir uns ca. 8-12 Stunden durch das Spiel „kämpfen“. Die Charaktere haben keine Persönlichkeit, lassen sich nicht anpassen und das gesamte Konstrukt wirkt sehr steif und unnachgiebig. Das repetitive Gameplay, wobei man gefühlt immer denselben Prozess wiederholt, sorgt für Frust und Abstinenz von Spielspaß.

Außerhalb des Abenteuers bietet das ebenso einfallslose Craftingsystem keinen echten spürbaren Mehrwert (warum tue ich das eigentlich?) und kann daher auch die Wertung nicht retten. Am Ende beschleicht einen das Gefühl, da wäre definitiv mehr drin gewesen und wie es richtig geht, zeigen diverse Genrevertreter.

Motivationskurve

Direkt zu Beginn des Spiel ist die Freude über die Dungeons & Dragons Basis groß und man freut sich auf das Abenteuer. Aber bereits nach ca. 3 Stunden ist praktisch die Luft komplett raus, da man ingame ständig das selbe macht. Die Story ist auch leider eher nebensächlich und etwas lieblos in das Spiel geklatscht. Ab Stunde 6 hofft man dann irgendwann die Credits zu sehen und „Tales from Candlekeep“ bekommt am Ende eine sehr schwache Wertung.

Zusammenfassug

Bewertung - 65%

65%

BKOM Studios haben mit Tales from Candlekeep den Versuch gestartet, dem rundenbasierten Genre mit dem D&D Grundregelwerk ein neues Leben einzuhauchen. Leider ist dieser Versuch eher gescheitert. Ein langweiliges Gameplay gepaart mit lieblos erzählter Story und schlecht umgesetztem Crafting bescheren dem Spiel die mittelmäßige Wertung.

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