Split – Kritik

Es gibt nicht viele außerordentliche Horrorthriller, an die ich mich in den letzten Jahren erinnern kann. Das lag vielleicht primär daran, dass es schlicht keine nennenswert guten Filme gab, aber mit Split wurde Anfang des Jahres ein vielversprechender Titel veröffentlicht. Ob der Film die großen Erwartungen, die vorab gestellt wurden, erfüllt hat, könnt ihr in meiner Kritik lesen.

Ich mag Filme, die nicht lange mit der Kern-Story zögern und so beginnt „Split“ mit einem Blitzstart und wirft den Zuschauer nach wenigen Minuten Laufzeit in das Geschehen rein. Nach einer Geburtstagsfeier werden drei Teenager Claire, Martha und Casey von einem unbekannten Mann entführt und in einen Keller gesperrt. Kurz darauf wird klar, dass dieser Mann geistig krank ist. Hauptdarsteller James McAvoy heißt eigentlich Kevin, verkörpert aber mehrere Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Namen.

„Split“ beginnt gleich mit der ersten Szene als ein sehr verstörend-mysteriöser Titel. Mit wenigen Bildern setzt M. Night Shyamalan eine beklemmende Situation fest, bevor er dann das Unheimliche mit dem Beängstigenden hinzufügt. Bevor wir uns als Zuschauer mit der grauenhaften Situation der jungen Teenies auseinandersetzen können, wird die Persönlichkeitsstörung in den Vordergrund gerückt, was dem Film eine Aura der Unberechenbarkeit verleiht, der bis zum Ende anhält. Regisseur Shyamalan strotzt nicht mit einem Twist-Feuerwerk (es gibt jedoch einen, mehr verrate ich nicht), als mit vielen cleveren Entwicklungen, wie zum Beispiel die interessante Hintergrundgeschichte von Casey, bei der als einzige von den drei Teenies eine persönliche Geschichte erzählt wird. Neben James McAvoy hat sie ganz klar die Hauptrolle, da es zwischen Kevin und Casey während des Films immer wieder zu Duellen auf Augenhöhe kommt. Im gleichen Atemzug muss man auch betiteln, dass James McAvoy eine überragende Rolle bei den einzelnen Persönlichkeiten spielt. Sei es der eingebildete Modedesigner, der lispelnde 9 jährige oder die dominante Frau in High-Heels: Mit einer schauspielerischen Leichtigkeit verleiht er jeder Figur eine stilistische Authentizität und hebt das ganze Niveau des Films auf eine ganz besondere Ebene.

Ein weiteres markantes Merkmal sind die unterschiedlich eingerichteten Kellerräume, in denen die 23 Persönlichkeiten wohnen und die Teenies festgehalten werden. So sehen wir das Kinderzimmer vom kleinen Hedwig direkt neben der Küche, wo sich Patricia um das Wohl der Teenies mit einem Brot kümmert. Noch eindrücklicher als die Konfrontation zwischen Entführern und Opfern sind einige Begegnungen von Kevin mit seiner Therapeutin Dr. Fletcher. Betty Buckley verleiht den Dialogen die Überzeugungskraft echter Menschlichkeit und wenn sie argumentiert, dass die verschiedenen Persönlichkeiten ihrer DIS-Patienten sich auch körperlich ausprägen können (der Blinde kann in seiner alternativen Persönlichkeit sehen). „Split“ hat nicht den Anspruch eines vollkommen korrekt dargestellten Medizinportraits über Kevin und so gibt Shyamalan dem Film einen kleinen Kick ins Übernatürliche, in dem er der Identität von Kevin eine weitere 24. Identität hinzufügt und die von den anderen nur als „das Biest“ angesprochen wird. Aus psychologischer Sicht ist „Split“ nicht glaubwürdiger als ein „Psycho“ von Alfred Hitchcock. Wichtiger ist jedoch: Der Ansatz funktioniert hervorragend!

Fazit

Bewertung

Mit "Split" bekommen wir gleich zu Beginn des Jahres einen richtigen Kracher im Horror-Thriller Genre und fast alle Erwartungen an den Film werden erfüllt. Shyamalan hat es geschafft das Andersartige respektive befremdlich Verängstigende auf seine individuelle Art und Weise darzustellen. Mit James McAvoy hat er zudem einen Schauspieler gewählt, der die Rolle nicht hätte besser spielen können.

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