Schätze Stuttgarts: Cast Brauerei

Ich habe 28 Jahre lang in der Nähe von Stuttgart gelebt und seit einem Jahr bin ich nun direkt in Stuttgart angesiedelt und es ist schon erstaunlich, welchen geheimen Ecken und Lokalitäten man zustößt. Auf einen Tipp von meiner Freundin ging es letzte Woche in eine Brauerei in Stuttgart. Ich dachte nur, gut die Dinkelacker-Brauerei dürfte im Schwabenländle ja so gut wie jeder Biertrinker und Nichttrinker kennen, aber die Überraschung folgte zugleich: Es handelt sich bei der Cast-Brauerei nämlich um einen Zwei-Mann-Betrieb, namentlich Daniel Bleicher (Braumeister) und Jonas Hohmann (Brauer).

Diese zwei Herren brauen ganz im klassischen Hinterhof-Stile ihre Spezialbiere und das waren genug interessante Argumente für mich, um auch mal hinter die Kulissen zu schauen und mit dem Braumeister höchstpersönlich über das Thema Bier zu philosophieren. Eine unscheinbare kleine Gasse führt in der Schlosserstr. 20/1 in einen Hinterhof und sofort fällt einem das kleine Haus auf mit dem blauen Grund auf. An der Fassade hängt ein kleines Schild, welches den Namen und das Logo der Brauerei abbildet. Cast, fragte ich mich, was könnte das bloß nur bedeuten. Eine vorab Recherche auf der Internetseite schlaute mich zum Glück auf. Der Name setzt sich zusammen aus California und Stuttgart. Das Logo zeigt einen Bären und eine Stute, der Bär als Zeichen für die kalifornische Flagge und die Stute für das Wappen Stuttgarts – wäre schon mal eine wichtige Frage geklärt.

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Anschließend geht es in die Brauerei rein. Im Prinzip ist es ein kleines schnuckeliges Zimmer mit vielen Gerätschaften und Kesseln, alles was man eben zum bierbrauen benötigt. An der Türe zur Kältekammer fällt mir dann ein kleines gelbes Hinweisschild ins Auge und da weiß ich, diese Männer sind einfach dafür geboren, um das Bierbrauen als ihr Hobby und damit ihren Beruf zu machen. Auf dem Schild kann man zudem den Preis für die Biere entnehmen, sicherlich kein Vergleich zu einem Discountbier oder zu Oettinger, das günstiger als ein 6er Wasser in PET-Flaschen zu haben ist, aber hier liegt der Fokus auch ganz wo anders.

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Die Cast-Brauerei gibt es seit 2010 und auf der offiziellen Homepage wird ein so genannter „Bierometer“ ständig mit den aktuellen Sorten und dem dazugehörigen Brauplan aktualisiert. Ich habe das Bild unten mit dem Stand 02.11.2015 eingefügt, aber da schaut man am besten immer direkt auf der Seite nach. Bei unserem Besuch habe ich selbsterklärend auch einen gewissen Durst mitgebracht und war schon gespannt auf das Bier. Zu unserem Glück konnten wir zwei Biere verköstigen: Pumpkin Ale und das dunkle Hopfenfestbier.

 

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Quelle: cast-brauerei.com

Angefangen habe ich mit dem Pumpkin-Ale, auf den ich besonders gespannt war. Das Bier, so wurde mir erklärt, wird mit einem Kürbisbrei und Ahornsirup in der Maische gebraut. Ich hatte vor dem ersten Schluck erwartet, dass es ein relativ mildes und süßes Bier ist und ich wurde eines besseren belehrt.

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Der Pumpkin-Ale ist mit seinen 6,2% ein Bier mit ordentlich Punch und dunkelgoldener Farbe. Das äußert sich auch beim Geschmack im Mund, denn die Bitterstoffe stehen klar im Vordergrund. Auf die Frage, warum das Bier eigentlich mit der Zugabe von Ahornsirup nicht eher süß sondern bitter wird, hat mir der Braumeister unter die Arme gegriffen. Der Ahornsirup ist in seiner Grundform zwar süß, aber wenn der Zucker verkocht, bleiben eben nur die restlichen Bitterstoffe übrig und Ahornsirup ist ganz schön bitter! Sehr erfrischend kommt hinzu, dass relativ viel Kohlensäure enthalten ist und deshalb ist es auch ein wenig süffig. Am Schluss jedoch die wohl wichtigste Frage: Wo bleibt der Kürbis? Beim ersten Schluck spürt man erst einmal ein kräftigeres Pils, wartet man aber die ersten paar Sekunden ab, entfaltet sich ein sehr außergewöhnlicher Geschmack im Mund – als hätte man in eine frische Kürbisschale gebissen. Ich war sehr überrascht, wie deutlich man den Kürbis zu diesem Zeitpunkt herausschmecken konnte.

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Der zweite Kandidat war ein dunkles Hopfenfestbier mit 6,3% Alkoholgehalt. Ich entschied mich bewusst für eine kleine Portion, denn das Auto sollte nachher am besten mit nach Hause. Der Unterschied zum Pumpkin-Ale war sehr deutlich, vor allem schon anhand der Farbe. Ich würde den Farbton als Dunkelbraun definieren, sehr nah an das Düsseldorfer Alt angelehnt und hätte ich es nicht vorher erfahren, so wäre ich mir sicher gewesen ein Alt zu trinken. Relativ bitter und mit sehr wenig Kohlensäure. Ich muss gestehen, dass ich absolut kein Alt-Trinker bin, aber die Fans werden bei dem Bier sicher auf ihre Kosten kommen.

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Nach der Verkostung ging es runter in das Herzstück der Brauerei. Hier stehen die gesamten Gerätschaften ordentlich aufgeräumt an ihrem Platz und sind schon bereit für den anstehenden Brauvorgang. Im Keller befindet sich zudem eine weitere Kältekammer als Lager. Unten im Keller hat mir Braumeister Daniel erzählt, dass der Anfang des Bierbrauens alles andere als ein Spaziergang auf der grünen Wiese gewesen ist. Die Jungs hatten eine schwere Zeit und das Projekte drohte zudem zu scheitern, aber die überraschende Nachfrage der Kunden und das Vertrauen in die eigene Braukunst führen heute dazu, dass das gebraute Bier innerhalb von wenigen Tagen restlos ausverkauft ist. Daniel hat mir mitgeteilt, dass beim nächsten Brautermin deutlich mehr Bier gebraut werden soll, um der Situation Herr zu werden und genügend durstige Rachen zu befriedigen.

Wir freuen uns darauf und sind natürlich wieder mit dabei, wenn die Cast-Jungs uns ihre neue Spezialität vorstellen – PROST 🙂

Siehe auch

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