Die Zwerge – Test

Vorwort

Ich habe mich sehr auf…bei Vraccas, ich habe „Die Zwerge“ bis zur Veröffentlichung vergöttert. Oft habe ich mich dahinträumend erwischt, wie ich durch die Lande ziehe, auf der Suche nach dem epischen Abenteuer mit meinen kleinen Helden. Viele Teaser und Previews haben meine erste Vorfreude deutlich gesteigert, obwohl für mich als Spieler immer erst die eigene Erfahrung entscheidend ist. Fassen wir zusammen: Ich habe die Bücher nicht gelesen, habe mich trotzdem auf etwas Neues Abseits von Diablo 3 und Co. gefreut, auf ein hervorragend erzähltes Spiel mit eigenem Spielcharakter. Warum ich das Spiel trotz allem nach gut 10 Stunden abbrechen musste und dem verschenkten Potential hinter trauere, lest ihr in dieser Rezension.

Die Story & das Gameplay

Die Geschichte von „Die Zwerge“ orientiert sich nach meinen intensiven Recherchen am ersten Band der gleichnamigen Buchreihe des deutschen Autors Markus Heitz (ich werde mir die Hörbücher definitiv noch anhören!). Als Spieler steuern wir einen mächtigen Zwerg namens Tungdil, der mit 14 Mitstreitern gegen Orks und andere üble Wesen in der Spielwelt in den Kampf zieht. Auf der Übersichtskarte (Weltkarte) entspricht jede Bewegung der Figur einem Tag. Auf Wunsch kann man am jeweiligen Ort die Umgebung erkunden und bei Gelegenheit Echtzeit-Kämpfe bestehen. Die Kämpfe des Spiels stellen neben diversen anderen Story-Entscheidungen, die der Spieler selbst beeinflussen kann, das Highlight dar.

In den Kämpfen übernehmen wir immer die Steuerung von einem Charakter und können uns weitere drei Mitstreiter aussuchen. Während des Spiels haben wir am Ende eine Auswahl aus 15 Helden. Vor jedem Kampf öffnet sich ein Menü mit der Helden- und Itemauswahl. Hier können wir unsere Helden picken und ihnen jeweils ein Item zuordnen – praktisch. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Kämpfe immer in Echtzeit ablaufen, mit der Option, den Kampf per Leertaste zu pausieren und den einzelnen Helden Befehle zu geben (exakt wie in Spielen wie Baldurs Gate etc.). Baldurs Gate ist an dieser Stelle prinzipiell ein gutes Stichwort, denn ich möchte jetzt zu den Kritikpunkten kommen, die zu der niedrigen Wertung führen und bei mir persönlich den Spielspaß doch deutlich getrübt haben.

Rumgeschubse, Pausieren und die KI

Ich bin ein großer Freund der Baldurs Gate Reihe, habe mich aber während meiner Spielsessions von „Die Zwerge“ nicht ausschließlich darauf versteift. Wer aber den Anspruch auf ein Strategielement in einem Echtzeit-Kampf stellt und umsetzt, muss damit rechnen mit anderen Vertretern dieses Genres verglichen zu werden. Im Spiel hatte ich das Gefühl, dass die „Pause“ dem Spieler keinen wirklichen Überblick die mögliche Strategie oder Vorteil verschafft, wie man sich das zum Beispiel von „Dragon Age: Origins“ kennt. Die ausgewählten Befehle werden zu spät oder sehr ungenau durchgeführt. Es kann also durchaus passieren, dass nach dem Beenden der Pause unser Charakter schon mehrere Meter nach hinten oder zur Seite geschoben wurde und somit geht der schöne Seitenschwung, der mindestens 5 Orks erwischen sollte komplett ins Leere und wir haben nichts angerichtet. Ich möchte etwas näher auf das „Schubsen“ eingehen. Klicken wir z.B. mit einem Rechtsklick auf den Gegner, dann rennt unser Held auf Diesen zu und schlägt drauf. Dabei kommt es aber fast immer vor, dass der Gegner weiter nach hinten geschoben wird (wir greifen an und der Gegner wird weggedrückt, schwer zu beschreiben aber fatale Auswirkung). So passiert es, dass unkontrolliert mehr und mehr Gegner angezogen werden, wenn wir tatenlos zusehen. Wir müssen diesem einen Helden den Befehl zum Zurückziehen geben und ihn erneut angreifen lassen. Ich hätte mir hier von der KI unserer Helden, wenn man sie nicht selber steuert, deutlich mehr gewünscht aber diese Tatsache macht das Schlachtfeld so extrem kompliziert, dass mir eigentlich bereits nach den ersten 5-6 Kämpfen die Lust auf das Kämpfen vergangen ist.

Durch Wände schießen? Kein Problem! RPG: Fehlanzeige.

Ich habe das Spiel im Schwierigkeitsgrad „Mittel“ durchgespielt“ und fand es durch die unnötige Geschubse-Pause-Komplexität relativ schwer (deswegen unten die Angabe „eher schwer“). Hätte man das oben angesprochene Problem besser gelöst, wären „Die Zwerge“ wahrscheinlich mein RTSRP Spiel des Jahres 2016 geworden. Ein weiteres, dickes Problem sind gegnerische Bogenschützen, die augenscheinlich durch harte Felsen schießen können – ich kann mir physikalisch nicht erklären, wie Holz und Eisenpfeile durch 4 Meter Stein durchgehen können, aber vielleicht muss man sich das auch zusammenfantasieren, wir spielen ja ein Fantasy-RPG. So haben wir den Kampf gerade erst betreten, stehen in einem, gefühlt sicheren, Höhleneingang und die ersten Pfeil durchsteche unsere Körper und die Lebensbalken sinken, hä?

Außerdem muss man anmerken, dass RPG Elemente wenig bis gar nicht vorhanden sind. Ja, die Charaktere können _ein_ einziges Item tragen und ebenfalls können wir nach ein paar festgelegten Level neue „Skills“ erlernen. King Art hat sich aber bei der Implementierung von RPG Elementen an das unterste Minimum gehalten – hier wäre deutlich mehr drin gewesen.

Die besten Momente von „Die Zwerge“

Nach dem kurzen Hate-Train folgt aber auch natürlich das Positive im Spiel und das ist die erzählerische Stärke und die unglaublich gute deutsche Synchronisation der englischen Sprecher. Das Spiel hat eine Story, der es Spaß macht in jeder Sekunde zu folgen, auch wenn die Aufgaben, die wir erledigen müssen weniger spannend sind. Die deutschen Sprecher sind en point getroffen und verleihen dem Spiel einen besonderen Schliff. Das macht das Spiel an sich auch nicht wirklich kampflastig, denn gewisse Nebenquests können zum Beispiel auch allein durch kluge Dialogentscheidungen des Spielers gelöst werden. In diesen genannten Punkten blüht „Die Zwerge“ richtig auf und es macht Freude, unseren kleinen dicklichen Freunden bei ihrem Abenteuer zuzusehen.

Zusammenfassung

Leider hat sich mein aufgebaute Vorfreude nach den ersten Spielstunden sehr schnell in Luft aufgelöst und am Schluss hat der fade Beigeschmack die Überhand bei den Zwergen genommen. Der Zauber der Story und des Storytellings mit der deutschen Synchronisation wird durch das schwache Gameplay, summiert durch die vielen nervigen Kleinigkeiten fast vollständig negiert. Die Kämpfe sollten fordernd sein, frustrieren aber durch die schwammige Steuerung und die schwache KI. Ich kann am Schluss ehrlicherweise die hohen Wertungen von diversen Spielemagazinen nicht nachvollziehen und möchte den Zwergen eher das Prädikat „für absolute Fans“ unterstellen. Verglichen zu anderen Genre-Vertretern muss man langjähriger Spieler sagen, dass die anderen Entwickler hier ihre Hausaufgaben besser gelöst haben.

Fazit

Bewertung - 76%

76%

"Die Zwerge" zieht den Spieler schnell in den Charme und den Zauber der Spielwelt und hat erzählerisch sehr starke Momente. Leider trübt die Kampfmechanik und die faktisch nicht vorhandene KI den Spielspaß so weit, dass die Langzeitmotivation ausbleibt. Deshalb sind die Zwerge eher ein Spiel für die Fans der sehr erfolgreichen Buchreihe von Markus Heitz.

Homepage Die Zwerge
User Rating: Be the first one !

Siehe auch

Escape Games und ihre Faszination

  Der Trend geht immer mehr zum kooperativen und das merkt man nicht nur an …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.