Kategorien
Filme & Serien

Der Tatortreiniger – Kritik

„Schotte ist mein Name, ich komme von der Reinigungsfirma Lausen!“.

Er ist Teil der SpuBe („Spurenbeseitigung“) und er ist an Orten im Einsatz, „wo andere sich vor Entsetzen übergeben“. Blut, Körperflüssigkeiten, Leichengeruch und menschliche Überreste nebst Ungeziefer sind für ihn Alltag. Wenn er kommt, ist die Polizei längst gegangen. Und er hat inmitten von Blutlachen, verfaultem Gewebe, Schmeißfliegen und Speckkäfern die Ruhe weg und futter gemütlich sein Wurstbrot – ja, sein Wurstbrot.

Name: Heiko Schotte, kurz Schotty
Beruf: Staatlich geprüfte Reinigungsfachkraft
Arbeitgeber: Lausen Gebäudereinigung, Hamburg
Einsatzfahrzeug: Weißer Pick-up
Einsatzbereich: Tatorte aller Art
Arbeitskleidung: Ganzkörperschutzanzug, Atemschutzmaske, Plastikbrille, Handschuhe
Materialien: Lappen, Schrubber, Chemikalien

Schotty ist ein Spezialist in seinem Gebiet und mag den Vergleich zu einem „Putzer“ überhaupt nicht (und darauf legt er allergrößten Wert, denn man kann ja auch nicht sagen, „dass Piloten die Busfahrer der Lüfte sind“). In den Wohnungen der Mordopfer reinigt er mit seiner Expertise nicht nur die Überbleibsel; mit viel Fingerspitzengefühl ist er auch für Angehörige und Freunde stets ein guter Gesprächspartner. So kommt es immer wieder zu den skurrilen Begegnungen: Einmal trifft er auf eine Prostituierte, die nur ihrer Arbeit nachgehen möchte. Im nächsten Fall befindet er sich mitten in einem Raum voller Gegenstände aus dem Nationalsozialismus und einem Hitler-Portrait an der Wand. Ganz abgefahren wird es, als er mit einer attraktiven künstlichen Intelligenz über das Leben und die Liebe philosophiert.

Bjarne Mädel (für viele als „Ernie“ aus der TV-Serie „Stromberg“ bekannt) präsentiert den mit allen Wassern gewaschenen – und doch liebenswert schusseligen – Tatortreiniger, den so schnell nichts aus der Fassung bringt. Facettenreich und mit viel Hamburger Charme. Die Serie wirkt insgesamt wie ein Kammerspiel, da sich die Szenen meist auf einige wenige Personen konzentrieren und der Fokus stark auf die Konversationen der Darsteller geht. Dabei gewinnen die Charaktere neben Schotty erst langsam im Verlaufe der 25-minütigen Episode an Tiefgang, Schärfe und Kontur. Das wirkt ebenso authentisch wie unglaublich komisch, schräg und verrückt. Die Drehbücher zeichnen sich durch hohe Situationskomik, geistreiche Wortgefechte, aber auch durch Sensibilität einen gewissen Ernst zur aktuellen Situation aus. Hat man in einem Moment gelacht, trifft einem das Unbehagen in der nächsten Szene und motiviert zum Nachdenken.

Die Herangehensweise an das Thema Tod ist überraschend originell, spritzig und unverbraucht. Vor allem Bjarne Mädel ist hier schauspielerisch in absoluter Topform zu erleben, wie er es auch bei „Stromberg“ war: Es ist ein Genuss, ihm zuzusehen. Unbezahlbar, diese Mimik („Wuäääh??“).

Genauso wünscht man sich gelungene Fernsehunterhaltung made in Germany, Abseits dem immer mehr zur Verdummung der Gesellschaft beitragenden, sinnlosen Assi-TV-Unterhaltungsprogramm. Ihr könnt Euch alle für den Bullshit schämen, den ihr da Tag ein, Tag aus produziert!

Die Standardversion kostet über Amazon Prime aktuell 9,03€ (DVD), die Serie ist aber auch für alle Prime Kunden z.B. über Fire TV oder direkt bei Amazon verfügbar!

Von simplify

Geboren und aufgewachsen in Ludwigsburg. Diplom im Fahrzeug- und Motorentechnik. Leidenschaftlicher Multimedia-Liebhaber. Gaming, Filme, Serien, Sport, Modellhubschrauber, Musik zählen zu meinen Top-Hobbies! Verrückt und ausgefallen bin ich auch noch :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.