Der Marsianer – Kritik

Sci-Fi und Humor passen selten gut zusammen. Dass es auch anders geht, beweist Altmeister Ridley Scott (Alien, Prometheus) in seinem Film „Der Marsianer“.

Eine Crew auf dem Mars kommt in eine kritische Situation und um die Ares 3 Mission nicht zu gefährden, wird Mark Watney (Matt Damon) auf dem Mars als Totgeglaubter zurückgelassen. Die NASA entdeckt ihn jedoch später auf dem Satellitenbild und ab da beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bis die Rationen auf dem Mars zur Neige gehen. Doch Mark Watney setzt sich ein Ziel vor Augen: So lange überleben, wie es nur möglich ist. Er ist selbst Botaniker und nutzt dabei auch die Gegebenheiten des Mars, um den Tod so lange wie möglich hinaus zu zögern und auf eine Rettung bei der Ares 4 Mission zu warten. Damit kommen wir auch gleich zur Erzählzeit des Films: Der Film hat eine Laufzeit von 144 Minuten und in dieser Zeit sollen über 400 Sol (1 Sol = Marstag, entspricht ca. 24 Stunden und 40 Minuten Erdzeit) erzählt werden. Ganz schön viel Holz für die relativ gesehen kurze Laufzeit. Die Erzählzeit von Ridley Scott schwankt immer mal wieder, da auf beiden Planeten (Erde und Mars) nicht alles nach Plan läuft und fremde Hilfe einwirken muss. Eins aber steht ganz sicher fest: Mit der Rettung oder dem Tod von Mark Watney endet der Film, einen anderen Verlauf kann die Story nicht haben – das zumindest ist im Film sehr gut vorhersehbar. Ridley Scott hatte also die Herausforderung über diesen langen Erzählzeitraum den Zuschauer in ein packendes und rhythmisch gut abgestimmtes Kinoerlebnis aufzusaugen und das ist ihm nur bedingt gelungen. Es gibt teils Szenen im Film (Selbstoperation von Watney), die künstlich in die Länge gezogen wirken und auch das wissenschaftliche Gerede ist nur bedingt für den „flow“ des Films von Vorteil.

Gehen wir nun etwas mehr ins Detail und da möchte ich mit der Optik anfangen. Der Film ist in 3D hervorragend umgesetzt und der Mars sieht einfach nur atemberaubend aus, so wie man sich den Mars halt vorstellt. Roter Sand, karge Landschaften und unendliche Weiten. Ohne Mark Watney wäre der Film wahrscheinlich wertlos, weil er die One-Man-Survival-Show zu einem echten Highlight gestaltet. Die Mischung aus dem harten Kampf ums Überleben mit all den Rückschlägen und Frustmomenten und dem Galgenhumor von Matt Damon sind sehr erfrischend und wirken nie versteift wie zum Beispiel bei „Cast Away – Verschollen“. In der ersten Stunde erzählt Scott fast ausschließlich über den Überlebenskampf von Watney, welche Pläne er sich für die kommenden Monate vornimmt und welche Rohstoffe er auf dem Mars verwenden will. Dabei hält Watney alles in seinem Videotagebuch fest, wo ihm teils sehr ausgefallene und lustige Sprüche über die Zunge rutschen. Nach und nach kommen im Film auch die Ereignisse auf der Erde zum Vorschein, damit verbunden der Rettungsplan, mit dem Watney möglichst lebendig wieder vom Mars nach Hause holen möchte. Hier spätestens sollte man die Logikzellen im Hirn deaktivieren, denn vieles ist einfach aus den Haaren herbeigezogen, aber wenn es unterhält ist es in Ordnung und das hat es. Im letzten Drittel nimmt der Film ordentlich Fahrt auf und die Ereignisse überschlagen sich im Minutentakt. Hier hat der „flow“ wirklich den Namen durchaus verdient und der Zuschauer kann sich gedanklich sehr gut in die Rettungsmission hineinversetzen und mitfühlen. Ganz so einen krassen naturwissenschaftlichen Anteil wie z.B. „Interstellar“ bietet „Der Marsianer“ nicht, aber im Grunde sind das auch komplett unterschiedliche Filme. Trotz allem muss sich „Der Marsianer“ gerade bei den opulenten Darstellungen hinter keinem anderen Weltraumfilm verstecken. Ich hatte es bereits erwähnt: Das Einzige, was man dem Film merklich vorwerfen kann ist, dass er einem gefühlt 20-30 Minuten zu lang vorkommt, da auch die Story auf der Erde eher dahinplätschert als mit voller Konsequenz erzählt zu werden. Man merkt Ridley Scott an, dass er sich sehr auf das letzte Drittel hingearbeitet hat, um hier das große Feuerwerk zu zünden.

Fazit

Bewertung

"Der Marsianer" ist ein spannender, humorischer Mars-Survival-Thriller, der mit Matt Damon obendrein noch exzellent besetzt ist. Lediglich die gewollte oder ungewollte Streckung mancher Szenen trübt den Gesamteindruck. Mehr als nur Popcorn-Kino!

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