Daylight – Review

Lieber schlecht kopiert als gut selbst gemacht

Kurztest dem, dem ein Kurztest gebührt – so lautet mein Motto bei dem Horror-Spiel Daylight, aber warum das Spiel von mir mit einer desaströsen Wertung abgestraft wird, lest ihr in diesem kurzen Artikel.

Nachdem ich das Spiel durchgespielt habe, war meine erste Frage: Wo bleibt der Sinn in diesem Spiel?  Daylight kopiert Grundprinzipien anderer, deutlich besserer Titel wie z.B. Amnesia oder gerade die doch sehr ähnliche Story von Outlast, jedoch in schlecht. Viele monotone Rätsel, Level mit fast dem ein und demselben Schema: Wir sollen mit unseren Leuchtstäben, die überraschenderweise in Stromkästen drin liegen das Labyrinth nach Artefakten absuchen, zum Ausgang laufen und dabei vorhersehbaren Schockmomenten ausweichen. Achso. Das Monster wird aggressiver, wenn wir mehr Gegenstände finden und unser Charakter nimmt Schaden, wenn wir es direkt anschauen. Das kennt ihr irgendwoher? Wird wohl damit zusammen hängen, dass es kaum von Slender abweicht. Nur vergaß Zombie Studios, was Slender so erfolgreich machte.

Slender, ein seltsamer Mann, der Men-in-Black Cosplay treibt. Steht irgendwo zwischen Bäumen, das Gesicht weiß, ohne jeglichen Ausdruck und wartet auf Euch. Er ist still, hat alle Zeit der Welt und weiß, dass er euch schon längst in seiner Gefangenschaft hat. Dieses Verhalten heißt die Oberhand zu haben, euch zu kontrollieren und das ohne sich anstrengen zu müssen. Er wechselt jedoch seinen Standort, wenn ihr den Rücken zum ihm dreht und deshalb war es im Verlauf des Spiels lebensnotwendig ihn anzusehen, um die Distanz zu überprüfen. Genau dieser Trade-off sorgte für Spannung, weil Slender schneller agiert und größere Schritte vollführt hat, die ihr nicht bemerkt habt.

Das Monsterdesign in Daylight geht einen anderen Weg. Leuchtende Augen, die in den ersten Begegnungen für kalten Schauder sorgen, aber genauso schnell ihren Reiz und die Bedrohung verlieren. Es ist ein Geist, es leuchtet und kreischt. Der zweite Punkt ist auch wirklich ein kritischer, da er die Spielatmosphäre in den Keller zieht. Die Schreie mögen beim ersten oder zweiten Zusammentreffen für heftige Jump-scares sorgen, verraten aber auch immer die aktuelle Position des Monsters. Sobald man diese Mechanik inne hat, kann man die Füße in die Hand nehmen und einfach in die entgegengesetzte Richtung laufen. Bedrohung abgewendet. Diese Strategie könnt ihr über das gesamte Spiel verfolgen und seid erfolgreich. Schade.

Horror? Achso nicht in Daylight!

Was macht einen guten Horrorfilm oder ein Horrorbuch aus? Richtig, das perfekte Pacing. Dabei wird versucht, das Verhalten des Horrorkonsumenten zu kontrollieren und ein Stück weit vorauszusehen. Das Team von Amnesia (Frictional Games) testet aus diesem Grund ihre Spiele jedes Mal mit anderen Spielern, um das Verhalten der Spieler zu analysieren und ggf. das Leveldesign zu optimieren. Dabei ist es die Essenz bei einem Horrorspiel nichts dem Zufall zu überlassen. Der Spieler sollte das Gefühl haben, dass seine aktuelle Handlung in direktem Zusammenhang mit der Atmosphäre steht, sie damit entschärft oder bedrohlicher gestaltet.

Daylight schickt euch in wild zusammengewürfelte Level und deswegen sieht alles aus wie in einem Labyrinth. Ich persönlich empfinde es als fauxpas, wenn ein Raum einem anderen exakt gleicht. Das ist in meiner Welt nicht möglich und zerstört jegliches Gefühl beim Spielen. Gerade im letzten Level wurde dieses Recycling doch sehr offensichtlich betrieben und das erschwerte unnötig das Auffinden eines Objekts. Die recht kurz bemessene Spielzeit von etwa zwei bis maximal drei Stunden wirkten am Ende wie Arbeit, die halt verrichtet werden musste.

Fazit

Ich könnte mich jetzt wahrscheinlich länger über das Spiel erbosen, setze aber hier einen Punkt, beginnt Daylight doch so vielversprechend. Der bedrückende Start in der Psychiatrie wirkt unheimlich und der Spannungsbogen geht steil hoch, bis ihr das erste Mal mit der Bestie zusammentrefft. Danach wirkt es wie ein Witz der zu oft erzählt wurde. Ein Song, der im Radio totgespielt wird.

Auch hätte ich von der Unreal-Engine 4 deutlich mehr erwartet, als dass, was bei Daylight gezeigt wurde. Zudem gab es an einigen Stellen trotz einer potenten Grafikkarte wie der 290X unschöne Ruckler, die bei einem Horrorspiel sehr viel von der Atmosphäre rauben.

Daylight bedient sich in meinen Augen dreist an bekannten Indie-Titeln. Die Entwickler scheinen sich im Horror-Genre vergriffen zu haben und wissen entweder nicht, was guten Psycho-Horror ausmacht oder wie er überhaupt entsteht. Durch sich ständig wiederholende Schocker-Momente wird auch die letzte Pussy irgendwann mit den Schultern zucken und weiterlaufen. Genau das Gegenteil, was ich von einem guten Horror-Titel erwarte.

Review Overview

Bewertung - 50%

50%

Daylight bedient sich in meinen Augen dreist an bekannten Indie-Titeln. Die Entwickler scheinen sich im Horror-Genre vergriffen zu haben und wissen entweder nicht, was guten Psycho-Horror ausmacht oder wie er überhaupt entsteht. Durch sich ständig wiederholende Schocker-Momente wird auch die letzte Pussy irgendwann mit den Schultern zucken und weiterlaufen. Genau das Gegenteil, was ich von einem guten Horror-Titel erwarte.

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