Das Schwarze Auge: Demonicon – Test

Der Inzest und warum RTL2 so gut zu Demonicon passt

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass sehr gute Rollenspiele immer seltener vorzufinden sind, nehmen wir bewusst großartige Titel wie die Witcher- und Souls-Reihe mal außen vor. Gerade ein deutscher Entwickler aus Berlin möchte uns vom Gegenteil überzeugen, aber gelingt das auch? Ob „Das Schwarze Auge: Demonicon“ wieder die Rollenspieljunkies zu multiplen Orgasmen verleiten kann, kläre ich in meiner Rezension. (Der Seitenhieb zu RTL2 wird am Ende des Tests geklärt).

Story

In den Schattenlanden hängt der Haussegen schief. Grund dafür ist die Flucht Calandras vor der Zwangshochzeit mit einem penetranten Ritter in den Tempelberg. Wir übernehmen die Rolle von Cairon, Calandras Bruder und sollen sie in den Tiefen der Höhlen finden. Hier stoßen wir nicht nur auf besondere Pilze oder Pflanzen, sondern auch auf ekelhafte Monster, die an unser Fleisch wollen. Mehr möchte ich an dieser Stelle zur Story auch nicht verraten, weil sie sich im Laufe des Spiel aufbaut.

Gameplay

DSA: Demonicon ist ein Rollenspiel indem wir aus der Third-Person Sicht mit der Tastatur oder mit dem Gamepad unseren Charakter steuern. Als Gameplayelemente können wir unsere Waffe schwingen und / oder Zauber sprechen. Cairon kann mit seinen Waffen sehr gut umgehen, vielleicht am Ende des Tages ein bisschen zu gut. Denn oft enden die Kämpfe in wilden Linksklick-Orgien mit meist gutem Ausgang für uns. Anmerkung: Das Spiel ist in den Schwierigkeitsgraden (außer „schwer“) so anspruchsvoll wie ein Toastbrot in den Toaster zu stecken. Falls ihr auch nur einen geringen Anspruch erwartet, solltet ihr euch von Anfang an den höchsten Schwierigkeitsgrad aussuchen. Ansonsten könnt ihr parallel zum Spiel fernsehen, Nägel clipsen oder Kaffee kochen.

Die Kämpfe laufen meist nach dem gleichen Schema: Eine Gruppe von Monstern taucht auf, Cairon zieht seine Waffe und der Kampf beginnt. Es gibt einen Lebens-, Ausdauer- und Essenzbalken (analog Manabalken). Wie in anderen Rollenspielen looten (sammeln) wir die Gegenstände nicht selbständig auf, sondern bekommen sie nach dem erfolgreichen Kampf direkt angezeigt, in Form eines kleinen Pop-Up Fensters in der Mitte. Ich konnte mich damit über das gesamte Spiel leider nicht anfreunden, weil es einem den Casual-Faktor extrem unter die Nase hält.

Im Laufe des Spiels sammelt Cairon natürlich Erfahrungspunkte in Form von Aktions- und Gabenpunkten. Diese Punkte können dann in sehr vereinfachten Skilltrees spendiert werden.

Grafik

Versetzen wir uns in das Jahr 2013 zurück, dem Releasejahr von Demonicon. Bis zu diesem Jahr wurde, unter anderem, das großartige Witcher 2 veröffentlicht. Grafisch erinnert Demonicon leider sehr stark an Gothic 2 aus dem Jahre 2002. Die polygonarmen Texturen und steif wirkenden Charakteren tragen dazu im Wesentlichen bei. Das Spiel hat natürlich auch teils sehr schön gestaltete Passagen, aber insgesamt muss man Demonicon vorhalten, dass die Grafikqualität über das gesamte Spiel extremen Schwankungen ausgesetzt ist. Hübsche Grafik ist nicht immer Garant für Spielspaß, aber schaut man sich die Konkurrenz an, hätte man hier deutlich mehr rausholen können und das muss kritisiert werden.

Sprache & Ton

Ein Positivpunkt von Demonicon ist die sehr gut gelungene deutsche Sprachausgabe und die Hintergrundmusik. Hier blüht das Spiel richtig auf, alle Dialoge sind stimmig vertont, kein Sprecher fällt negativ ab, die Musik klingt hervorragend also alles gut? Nein, ein kleines Manko gibt es doch. Die Abmischung bei den Gesprächen ist nicht durchgehend gut gelungen, stellenweise überlagern die Hintergrundeffekte den eigentlichen Dialog.

Was hat mir an Demonicon besonders gut gefallen?

Wenn ich jetzt schreiben würde, dass mir die Story nach dem Durchgang besonders gut gefallen hat, würde ich wahrscheinlich lügen. Die Story selbst an sich war es nicht, es war viel mehr die Inszenierung und die eingebauten Story-Twists, die das Gesamtkonstrukt „interessant“ gestaltet haben. Ansonsten muss man noch die bereits erwähnte Vertonung im Spiel loben, denn sie ist bis aus kleine Aussetzer relativ gut gelungen.

Was hat mir an Demonicon eher weniger gefallen?

Ich kann euch versichern, dass dieser Abschnitt leider etwas länger ausfallen wird. Fangen wir erst mit den elementaren, objektiven Sachen an, die mir aufgefallen sind. Die Spielmechanik in Demonicon ist zum Sterben langweilig und das sage ich als Rollenspieler seit den frühen 90er Jahren. Das Leveldesign strotz nur von Linearität und die Quests sind teils so blödsinnig gestaltet, dass man die gleichen, unnötig langen Wege mindestens drei oder vier Mal ablaufen muss. Es gibt praktisch keine Rätsel. Als Rollenspieler ärgert man sich über solche Fehlkonstruktionen und das mindert natürlich auch den Spielspaß. Auch das Kampfsystem ist weit weg von fordernd oder gut. Alles wirkt wenig durchdacht, denn unser bester Freund im Monster-Getümmel ist der Linksklick-Spam und falls noch ein bisschen Essenz übrig ist, schicken wir einen Spruch raus. Theoretisch könnten wir Cairon vollständig auf Kampf auslegen und über das gesamte Spiel die linke Maustaste in Kämpfen spammen. Wir würden definitiv alle Monster bis zum Ende so besiegen können.

Kritik an der Story muss ich zum Schluss leider auch ausüben. Mit einer Spielzeit von ca. 19 Stunden ist Demonicon mit Sicherheit eines der kürzeren Rollenspiele. Vorhalten muss man aber, dass sich diese Spielzeit insgesamt nicht gut anfühlt, denn vor allem das Ende des Spiels ist so dermaßen künstlich gestreckt, da fällt einem vor Unglauben die Kinnlade runter. Ich habe bis zu dem Testzeitpunkt dieses Spiels kein einziges Rollenspiel gespielt, bei dem das Ende so zäh gestaltet wurde wie in Demonicon. „Zähflüssig“ Achievement unlocked!

Eine Kritik in eigener Sache zur Story: Der folgende Teil enthält möglicherweise einen ganz kleinen Spoiler, deswegen seid vorgewarnt!

Ich weiß nicht, wer auf diese Story gekommen ist, aber im Ruhm bekleckern kann man sich damit nicht. Durch einen Blutaustausch werden Cairon und Calandra mit einem Fluch belegt und verlieben sich ineinander? Das nennt sich auch Inzest. Calandras Figur ist für meinen Geschmack viel zu sehr auf „f*** mich“ ausgelegt. Das Outfit erinnert eher an einen Pappaufsteller einer Erotikmesse und die Brüste sind so auf dem Präsentierteller, als hätte ein Art-Designer absichtlich Stofffetzen weggelassen, damit sie so durch die Gegend fliegen und auch der letzte Cairon dieser Welt spitz auf die eigene Schwester wird. Unnützes Wissen: Im Spiel hatte ich gegen Ende tatsächlich die Möglichkeit, kurz vor dem großen Endkampf, bei dem bösen Monster bereits die Tore befallen mit meiner eigenen Schwester Sex zu haben (wenn man vor dem Untergang sonst keine anderen Sorgen als Retter der Welt hat). Ich habe das abgelehnt, weil ich diesen Story-Gedanken einfach nur ekelhaft finde. Könnte glatt eine Sendung auf RTL2 mit dieser Handlung sein. Wie erwähnt, eine persönliche Meinung.

Motivationskurve

Die Motivation am Anfang des Spiels ist relativ hoch, die eigene Schwester ist in eine gefährliche Höhle geflüchtet und unsere Aufgabe ist es, sie vor den Gefahren zu retten. Relativ schnell stellt sich aber die Routine im Spiel ein, sodass der Spielspaß einen Absacker erfährt. Die sich wiederholenden Kämpfe und linearen Levels machen einfach keinen Spaß. Im letzten Drittel verliert das Spiel nochmal ordentlich an Schwung und zieht sich wie ein zäher Kaugummi. Im Schnitt bleibt die Zahl 61 und das ist auch die finale Wertung von Demonicon.

Bewertung

Bewertung - 61%

61%

Schwierig. Das beschreibt meinen Durchgang in Demonicon sehr passend. Kurzum: Ich hatte in diesem Rollenspiel nicht sehr viel Spaß, obwohl das Gerüst der Story an sich gut gelungen und erzählt ist. Ansonsten hat DSA: Demonicon leider wenig bis gar nichts zu bieten, was Rollenspiel-Herzen höherschlagen lassen könnte. Stupide Quests, lineares Leveldesign und das wahrscheinlich langweiligste Kampfsystem sind drei Dinge, die den Nackenschlag verursachen. Zusammenfassend kann ich Demonicon keinem Rollenspieler empfehlen, denn die 19 Stunden Spielzeit lassen sich in andere Spiele besser investieren. Vielleicht bekommen wir ja irgendwann tatsächlich ein großartiges DSA-Spiel, Demonicon ist definitiv nicht.

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Siehe auch

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