American Sniper – Kritik





Was ist das gemeinsame Klischee von amerikanischen Kriegsfilmen? Meistens gibt es einen Helden, es wird mehr Munition verballert als in vier Kriegen nötig wäre und am Ende steht die USA als riesige und unüberwindbare Supermacht im glorreichen Licht. In meiner Kritik möchte ich euch vorstellen, warum Bradley Cooper nicht nur lustig und cool kann und ob der Film die 7,4 bei IMDB wirklich verdient.

Kurz nach den Anschlägen von 9/11 wird US-Navy Seals Chris Kyle in den Krieg nach Irak gerufen und verabschiedet sich von seiner Frau Taya (Sienna Miller). Chris ist ein Scharfschütze und verfolgt den Krieg über den Dächern Fallujahs, als er seine ersten, aber für seine Kameraden lebenswichtigen Schüsse abfeuern muss. Zwei kalte tödliche Patronen. Zwei Tote. American Sniper hatte für mich anfänglich eine abschreckende Laufzeit von 2 Stunden 12 Minuten, die der Film aber genau durch solche Gänsehaut Momente füllt und den Zuschauer in seinen Bann zieht. Zugegeben, das Klischee des Helden und dem Patriotismus erfüllt der Film zum Teil, aber lange nicht so sehr wie z.B. in Act of Valor, Pearl Harbor oder Die Rote Flut. Die emotionale Seite des Films kommt ganz klar beim Wechselspiel Krieg und Familie rüber, denn hier werden die psychologischen Kehrseiten des Krieges ins Rampenlicht gerückt. Ein Anti-Kriegsfilm ist „American Sniper“ gewiss nicht. Ein Grund dafür ist gewiss der Abriss über die Darstellung des Werdegangs aus seiner Kindheit. Die Amerikaner lieben Waffen und wachsen damit schon in Kindesjahren auf. Spielen die europäischen Kinder mit Playmobil und Lego, schießen einige kleine Kids in den Staaten schon auf lebendige Kaninchen und Konsorten – eine völlig andere Welt also im Gegensatz zu uns. Es sind halt diese kurzen, aber wichtigen Momente, die Filmen einen Hauch von Patriotismus geben. Ich war vorhin beim Wechselspiel zwischen Krieg und Familie stehen geblieben – richtig. Würde man die „Heimatreisen“ im Film weglassen, so hätten wir einen klassischen Kriegsfilm mit lauter Actionszenen. Der Heimaturlaub bringt die nötige Ruhe, die der Film und die Zuschauer brauchen, ist aber alles andere als stressfrei für Kyle, der seiner Frau immer fremder wird. Nationalbewusstsein schreibt der Regisseur nicht zu groß. Kyle wird als psychisch angeschlagener Mensch gezeigt, der jedoch willensstark ist. Das ist nicht die Regel, aber er ist nicht wie die meisten anderen.

Der Kameraschnitt und die verschreckende Geräuschkulisse sind hervorragend gelungen. Jede Szene wirkt so, als wäre man als Zuschauer mit eingebunden und das sorgt für Spannung bis zum Schluss. Zum Abspann hält Eastwood Originalaufnahmen für notwendig. Die US-Amerikaner halten viel auf ihr Land, die Macht und ihre Helden. Zumindest jene, die mit Fahnen am Straßenrand stehen. Das soll dann auch gezeigt werden. Einfach so, wie es 2013 war. Ohne Patriotismus zu schüren. Wer dem Film Kriegspropaganda vorwirft, wurde in meinen Augen zu heiß gebadet. Nach den teils verstörenden Bildern und der Darstellung, was der Krieg psychisch mit einem Menschen anrichtet, dürfte es keinen Grund geben, sich nach der Vorstellung freiwillig bei der US-Army zu melden und in den Krieg zu ziehen.

Review Overview

Bewertung

„American Sniper“ ist ein mitreißender, außerordentlich gut inszenierter Film mit kleinen Logiklücken.

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