Alien: Isolation – Review




„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Niemand! Wenn er aber kommt? Dann laufen wir davon!“ Korrigieren wir diesen Satzlaut des bekannten Grunschulspiels etwas für uns Erwachsene: „Wer hat Angst vor dem Alien? Jeder! Wenn er dann kommt? Dann sterben wir halt!“ Ah, viel besser könnte ich die Rezension zu einem so dermaßen eigensinnigen Spiel nicht beginnen.

Alien: Isolation wurde am 7. Oktober 2014 vom britischen Studio „The Creative Assembly“ veröffentlicht und dabei handelt es sich um ein survival-horror-stealth Spiel. Wir steuern die Figur von Amanda Ripley, die Tochter von der aus den Alien Filmen bekannten Ellen Ripley, die versucht, dem mysteriösen Verschwinden ihrer Mutter auf der Nostromo auf die Schliche zu kommen. Ihre Suche führt sie auf die fast vollständig evakuierte Raumstation Sevastopol, wo sie einem tödlichen Wesen begegnet.

Vorab: Ich habe Alien: Isolation (im Folgenden AI) auf dem Schwierigkeitsgrad „Schwer“ durchgespielt. Dies bitte ich dringend beim Lesen des Reviews zu berücksichtigen!

Wenn man nach all den vergangenen Horrorspielen gedacht hat, das Genre übersättige sich langsam von selbst, belehrt uns AI eines besseren, denn wer auf der Suche nach einem extrem knackigen Horror-Survival ist, welches den ersten Alien Film von 1979 als Setting benutzt, wird mit diesem Spiel wahrhaft leuchtende Augen bekommen. Warum es sich bei den leuchtenden Augen aber durchaus auch um richtige Tränen handeln könnte (vgl. im richtigen Leben weinen), erfahrt ihr in meinem Review.

Die Story in Kürze

Ellen Ripley verlässt die Erde und verspricht ihrer kleinen Tochter Amanda, dass sie zu ihrem elften Geburtstag wieder nach Hause kommen wird. Amanda hat sie danach nie wieder gesehen. 15 Jahre später im Jahr 2137 bekommt Amanda vom Syntheten Cristopher Samuels eine verlockende Information. Der Flugschreiber der Nostromo sei kürzlich gefunden worden und befinde sich jetzt auf der Raumstation Sevastopol, welches der Seegson Firma gehört und in der Nähe des Gasriesen KG348 den Orbit kreis. Amanda steigt ein und so macht sie sich mit Samuels und der Weyland- Yutani Anwältin Nina Taylor auf die Reise zur Sevastopol-Station. Bei der Allüberquerung von der Torrens zur Sevastopol kommt es jedoch zu einem schweren Unfall, bei der Amanda von den anderen beiden getrennt wird und sich separat einen Weg durch das Raumschiff suchen muss. Ab hier beginnt wohl die aufregendste und gefährlichste Geschichte, die Amanda in ihrem Leben je erlebt hat, dafür lege ich meine Nerven ins Feuer.

Gameplay

Das Spiel versetzt uns in die first-person Sicht und vereint sowohl Horror- als auch Schleichmechaniken. Die Entwickler konzentrieren sich dabei im Großteil des Spiels auf ein einziges Xenomorph XX121 (Alien), um den Horror ständig präsent zu halten und nicht zu einem Action-Schocker zu driften. Das Alien ist das unbesiegbare Wesen im Spiel, aber daneben gibt es zahlreiche andere Wesen wie zum Beispiel Androiden oder andere menschliche Überlebende, die man im Kampf bezwingen kann. Außerdem sind Elemente wie Lüftungsschächte, Spinde und Nahkampfwaffen wichtige Faktoren, die das Gameplay wesentlich beeinflussen. Quer durch das Spiel sind kleinere Minigames zu finden, mit denen wir Schalter umlegen und Terminals hacken können. Die Entwickler haben in einem Trailer klargemacht, dass fast jede Begegnung mit dem Alien für den Spieler tödlich endet und diese Warnung sollte bitter ernst genommen werden.

Wir befinden uns also alleine auf der Raumstation Sevastopol und was tut man also, wenn es kein Buch „Alleine gecrashed in einem Raumschiff für Dummies“ gibt? Man sieht zu, dass man relativ schnell an brauchbare Ausrüstung rankommt und sich auf eine Expedition wagt. Selbstverständlich versucht unsere Amanda auch ihre anderen Truppmitglieder zu erreichen, ist aber große Strecken alleine unterwegs. Drei Stunden. So lange baut „The Creative Assembly“ die Spannungskurve auf, bis wir mit dem sonderbaren Wesen aus dem All konfrontiert werden und diese Zeit wird quälend lange, wenn es an jeder Ecke rattert, das Blech trommelt und wir wahnsinnig schnelle Schrittgeräusche aus den Lüftungsschächten hören. Stellt euch eine entspannte Atmosphäre auf der AIDA mit einem leckeren Sex on the Beach in der Hand vor. Die Sonne scheint, das Meer rauscht, die Möwen reimen euch ein Lied, die Delphine verfolgen euch und ihr kommt mit der Kamera gar nicht hinterher Bilder zu schießen. Stellt euch jetzt genau das krankste und krasseste Gegenteil von dieser Idylle vor und das Grundkonzept von AI wäre damit annähernd genau beschrieben.

Nach einer langen Durststrecke taucht also das Alien erstmals aktiv im Spiel auf und zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich an dieser Stelle mit knapp 40 Versuchen wohl mit das schwerste Kapitel im Spiel bestreiten müsste. Die Aufgabe klingt doch so simpel wie logisch! Eine Zugangstür ist blockiert und Dr. Morley hat die passenden Daten auf seinem Rechner. Sehr gut, ran an den Rechner und der Code ist in der Tasche. Quarantänewarnung! Oh sh**, wenn wir was in Horrorfilmen gelernt haben, dann, dass rot leuchtende Lichter und ein schriller Alarm meistens keine Vorzeichen dafür sind, dass gleich der Eismann mit seinem T5 um die Ecke gefahren kommt. Wir brauchen nun noch eine Schlüsselkarte, um eine andere Tür zu öffnen und diese befindet sich an der Leiche von Dr. Morley, aber wo der ist, das bleibt vorerst ein geringeres Problem. Das Alien dreht in der Krankenstation lustig seine Runden und sobald wir einen Schritt zu spät in Deckung gehen oder den Code an einer Tür wiederholt eingeben müssen, ist es meist vorbei und die „Spiel laden“ Sequenz begrüßt uns freundlich. Ich trete diese Szene bewusst so breit, weil ich das Gefühl vermitteln will, dass AI wirklich sehr fordernd und damit nicht unbedingt mit einem Genre-Vertreter wie z.B. Outlast verglichen werden sollte. In diesem Spielstadium sind unsere Mittel gegen das Alien merklich begrenzt. Eine Leuchtfackel hier hin werfen, da mit dem Schraubenzieher gegen die Wand hauen, damit das Alien gelockt wird, aber dann wars das auch schon. Sobald wir vom Alien entdeckt und verfolgt werden, heißt das für uns den Tod. Punkt.

Was hat mir an Alien: Isolation besonders gut gefallen?

Ich weiß, dass sich die Geister beim Thema Schwierigkeitsgrad enorm scheiden, aber darauf möchte ich kurz am Beispiel AI eingehen. Das Spiel ist die meiste Zeit ziemlich knackig und ich kann mich nicht erinnern, außer bei Dark Souls, in einem Survival-Horror Spiel so oft ins Gras gebissen zu haben wie bei AI. Trotz allem muss ich aber auch sagen, dass ich in keinem anderen Horror-Survival jemals dazu gefordert wurde meine Karte, meine Umgebung, meine Versteckmöglichkeiten und meine eigenen Tools eingehend zu studieren, um eine bestmögliche Überlebenschance zu garantieren. Vielleicht wirkt das Spiel deshalb auf so manchen Spieler unfair, weil sie diese Optionen nicht in Betracht ziehen und blind durch die Raumstation sprinten. Apropos sprinten: Sprinten im real life ist bestimmt was Schönes, sprinten heißt Schnelligkeit. Im AI Wiki könnte man einen Eintrag zu sprinten verfassen, der wie folgt aussehen könnte: sprin|ten, schwaches Verb, 1. eine kurze Strecke mit größtmöglichem Aufsehen erregen zurücklegen, 2. (umgangssprachlich) schnell sterben. Sprinten ist also kacke!

Ein weiterer großer und wohl der größte Pluspunkt geht an die Anlehnung an den ersten Alien Film von 1979 mit Sigourney Weaver. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, vor Spielbeginn oder während den Pausen, den Film wirklich nochmal anzuschauen. Mittlerweile sind wir ja im Zeitalter der Blurays und müssen nicht auf einen Pixelmatsch schauen. Die Entwickler haben sich allergrößte Mühe gegeben, die Gegebenheiten und Schauplätze fast 1:1 nachzubauen und teilweise kommen wirklich wundervolle Aha-Momente, wenn man bekannte Orte bzw. Gegenstände aus dem Film entdeckt. Das kann, außer vielleicht Resident Evil und Silent Hill kein anderes Horror-Survival bieten – also eine echte Rarität!

Die Optik von AI ist in meinen Augen stimmig und diverse Beleuchtungs- und Raucheffekte tragen zur richtigen Raumschiff-Atmosphäre bei. Hier und da gibt es flimmernde Kanten, aber dafür läuft das Spiel auch wirklich tadellos ohne einen einzigen Ruckler. Ruckler sind im übrigen die hardcore Stimmungskiller in einem Horror Survival. Eine andere, besonders zu erwähnende, Sache ist der Sound. Und der hat es richtig in sich! Sei es die panische Musik oder die dumpfen Schritte des Aliens auf dem kalten Boden. Ein kalter Schauder läuft aber fast jedem Spieler über den Rücken, wenn das Alien sich in den Lüftungsschächten bewegt. Hier ist der Sound so unglaublich passend und glaubwürdig, als würde das Viech irgendwo um einen herum laufen. Das sorgt mit Kopfhörern für Adrenalin und die ständige Angst das Alien in den Rücken zu bekommen. Der Sound schafft es hier also, dem Spieler ein anhaltendes, beklemmendes Gefühl bei seinen Unternehmungen zu geben – eine Mahnung an Spieler, die denken, alles möglichst schnell erreichen müssen!

Was hat mir an Alien: Isolation weniger gut gefallen?

Leider hat auch AI so manch unschöne Frustmomente und Logiklöcher, die nicht hätten sein müssen, aber alles der Reihe nach. Ich fange von der Priorität in folgender Reihenfolge an: von wenig störend bis störend. Wenig störend ist für mich die Steuerung, denn mit einer Maus-Tastatur Steuerung kann man AI zwar spielen, aber nicht besonders effektiv. Deswegen solltet ihr irgendwo eine Gamepad auftreiben und das Spiel mit diesem beginnen. Das erspart viele Momente, bei denen man den Kopf gegen die Tastatur schlagen könnte. Ein merklich störender Punkt ist der RNG Effekt vom unbesiegbaren Alien. Ein paar markante Beispiele um das deutlich zu machen: Ich habe eine Leuchtfackel und werfe sie an das andere Ende des Raumes hinter einen Pfeiler. Das Alien läuft hin und begutachtet es, ich schleiche geduckt auf der anderen Seite und versuche die nächste Tür zu erreichen. Im selben Moment schreit das Alien auf und sprintet wie Usain Bolt auf mich zu und verschlingt mich in einer Todessequenz. Hm ok, warum dann die Mühe mit der Ablenkung? Nächstes Beispiel: Das Alien verzieht sich ca. 30m in einen Lüftungsschacht und ich laufe weiter und werde innerhalb der nächsten Sekunde in den Schacht nach oben gezogen und bin tot. Was ich damit sagen will, das Alien hätte in dieser Zeit niemals über mir sein können und auch der Bewegungsmelder hat angezeigt, dass das Alien eigentlich ganz wo anders ist, seltsam.

Irgendwann im Verlauf des Spiels bekommt unsere Figur einen Flammenwerfer und das ist für mich persönlich Medaille mit zwei krassen Seiten. Einerseits mussten wir uns knapp zwei Drittel des Spiels ständig vor dem Alien verstecken und seine Spielchen mitmachen, andererseits haben wir jetzt endlich ein Mittel, mit dem wir das Drecksviech endlich etwas einschränken können. Man, habe ich gejubelt, als ich endlich kein hilfloses Opfer mehr in diesem Raumschiff war, aber killt das auch die Atmosphäre? Teils, teils. Der Flammenwerfer ist in der Tat sehr mächtig, da er dem Spieler deutlich mehr Kontrolle gibt und sehr sehr viele Fehler verzeiht. Man kann sich viel freier bewegen und der Bewegungsmelder wird in dieser Zeit auch nicht mehr so wichtig. Ich hätte mir gewünscht, dass die Munition für den Flammenwerfer im höchsten Schwierigkeitsgrad wesentlich begrenzter hätte sein müssen, damit man nicht „spammt“, um sich zu schützen.


Den größten Minuspunkt bekommt AI leider wegen dem völlig überzogenen letzten Drittel des Spiels. Die Flucht von der Sevastopol Raumstation dauert in der realen Spielzeit etwa vier Stunden, gefühlt aber sind es ca. sechs. Ich hatte während der Fluchtphase ständig das Gefühl, als hätte der Entwickler krampfhaft versucht, durch einandergekettete Ereignisse das Spiel künstlich in die Länge zu ziehen. Hier ist der Ausgang! Ah, da ist jetzt was im Weg. Aber hier ist jetzt der Ausweg! Verdammt, eine Explosion, suche einen Alternativweg. Da hinten ist der, der Ausgang!!! Drehe noch ein paar Schalter um und begebe dich zu einer anderen Etage. Moaaaaaaaaah, alter.
Kein Ding, liebe Jungs von „The Creative Assembly“, wenn ihr das Ende so dramatisch in Szene setzen wollt, aber entweder ihr macht das glaubhaft und für den Spieler interessant oder kürzt das Ende und füllt die gesparte Zeit davor mit sinnvollen Inhalten. War für mich persönlich nicht der Neckbreaker im Spiel, weil ich ein sehr großer Alien Fan bin, aber für den ein oder anderen könnte das durchaus etwas langatmig sein.

Fazit

Alien: Isolation macht den Kult vom Film in einem Horror-Survival spielbar und glänzt durch ein ausgefeiltes Gameplay. Das Spiel ist gegenüber seinen Konkurrenten vom Schwierigkeitsgrad deutlich höher angesiedelt und fordert den Spieler, sich mit seinem Charakter und der Umgebung zu beschäftigen. Die stimmige Optik und die ausgezeichneten Soundeffekte machen AI nicht für Alien-Fans zu einem echten Horror-Survival-Leckerbissen!

 

Motivationskurve

Am Anfang ist die Motivation sehr groß, da das Spiel auf einer sehr berühmten Vorlage aus dem Film basiert. Die Motivation fällt langsam auf eine mittlere 70er Punktzahl bis zur ersten richtigen Begegnung mit dem Alien. Schnell merkt man jedoch, dass das Alien zu diesem Zeitpunkt ein sehr übermächtiger Gegner ist. Die mittlere Phase des Spiels ist nach meiner Auffassung einer Lernphase. Die Motivation sinkt hier also erwartungsgemäß, aber nicht wirklich gravierend. Eines der besten Teile ist das dritte Viertel im Spiel. Die Spannung und das Adrenalin nehmen dermaßen Fahrt auf, dass wir froh sein müssen, wenn wir mal einen kleine Alienpause bekommen. Ständig ist das Ding auf unseren Fersen und die Angst ist allgegenwärtig. Leider kann AI dieses Feuerwerk nicht bis zum Schluss halten und versagt an einem völlig überzogenen Finale.

Bonus: Warum besser bewertet als Outlast?

Im direkten Vergleich, wenn man es denn so nennen darf, bietet AI gegenüber Outlast wesentlich mehr Optionen dem Gegner zu entkommen respektive ihn zu meiden. Rennen wir in Outlast eigentlich fast ausschließlich weg oder verstecken uns diversen Möglichkeiten, können wir in AI selber aktiv das Verhalten der Gegner beeinflussen und das muss in einer besseren Wertung honoriert werden!

Review Overview

Bewertung - 82%

82%

Alien: Isolation macht den Kult vom Film in einem Horror-Survival spielbar und glänzt durch ein ausgefeiltes Gameplay. Das Spiel ist gegenüber seinen Konkurrenten vom Schwierigkeitsgrad deutlich höher angesiedelt und fordert den Spieler, sich mit seinem Charakter und der Umgebung zu beschäftigen. Die stimmige Optik und die ausgezeichneten Soundeffekte machen AI nicht für Alien-Fans zu einem echten Horror-Survival-Leckerbissen!

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Siehe auch

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